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Ein Roman über das Wasser (und zwei Frauen)

Eine der Autorinnen, die am Donnerstag auf der Bühne der Ehrengastpräsentation ihren neuen Roman vorstellte, war Kristín Marja Baldursdóttir. Ihr beim Krüger-Verlag erschienener Titel „Sterneneis“ stand im Mittelpunkt dieses – auf deutsch geführten – Gesprächs mit Wiebke Porombka. Doch bevor die beiden Damen auf den Inhalt des Buches eingehen konnten, war es Kristín Marja Baldursdóttir ein Bedürfnis, ein Missverständnis aus dem Weg zu räumen, da sich Frau Prombka über das Impressum amüsierte. Denn danach sollen Männer dieses – vom Verlag als Frauenroman beworbene – Buch nur „auf eigene Verantwortung“ lesen. Dagegen hatte die Autorin im Original aber eine allgemeine geschlechtsunabhängige – augenzwinkernde – „Warnung“ geschrieben, von der seitens der Übersetzerin ein Wort fehlinterpretiert wurde.

 

Kristín Marja Baldursdóttir (links) im Gespräch mit Wiebke Porombka

 

Als jemand, der sich seit vielen Jahren für die Gleichberechtigung einsetzt, wäre es Kristín Marja Baldursdóttir doch etwas unangenehm, wenn man ihr Vorurteile gegen Männer zutrauen würde. Dabei liegt es der engagierten Journalistin eher am Herzen, Frauen aufzurütteln und sie daran zu hindern, sich zurück zu entwickeln. Sie fände es nämlich sehr erschreckend, dass sich die Frauen in Island in den letzten Jahren wieder so viel von ihrer Selbstständigkeit hätten nehmen lassen. Daher stamme auch ihr Bedürfnis, über starke weibliche Charaktere zu schreiben, um aufzuzeigen, dass es den Frauen nur an etwas Mut fehle, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

So ist auch die Psychiaterin Gunnur eine erfolgreiche und energische Frau, die allerdings immer zu viel von sich erwartet. Sie will nicht nur die Anforderungen im Beruf perfekt bewältigen, sondern versucht auch, alle Erwartungen zu erfüllen, die vielleicht als Haus- und Ehefrau an sie gestellt werden könnten. Die aus diesem übertriebenen Ehrgeiz resultierende Überforderung führt zu einem Zusammenbruch, als bei Gunnur eingebrochen wird. Von einem Moment auf den anderen wurde sie nicht nur materieller Dinge beraubt, sondern auch der Sicherheit und Privatsphäre im eigenen Heim.

Verschärft wird die Situation für die Psychiaterin dadurch, dass sie die nächsten Tage auch noch auf die vierzehnjährige Hugrún, die Tochter ihrer Innenarchitektin, aufpassen soll. Zu zweit machen sich die beiden mitten im Winter auf in Gunnurs Sommerhaus – doch dort streikt die Technik, so dass sich die verunsicherte Frau und das ihr fremde Mädchen in der Natur beschäftigen müssen.

Ob die von ihr beschriebenen Szenen dabei Gunnur wirklich passieren oder ihrer Vorstellung entstammen, kann oder will Kristín Marja Baldursdóttir nicht beantworten. Für sie war es vor allem wichtig, sich in diesem Buch auf das in Island allgegenwärtige Wasser (Eis, Regen, Meer) zu konzentrieren und auf die Frage, was wohl mit einem Menschen geschieht, der all seines Luxus beraubt wird. Dabei soll Hugrúns Verhalten aufzeigen, wie sehr es der erfolgreichen und ehrgeizigen Gunnur tagtäglich an Mut fehlt.

Während des Gesprächs machte Kristín Marja Baldursdóttir einen sehr sympathischen und humorvollen Eindruck. Und auch von ihrem Roman meinte die Autorin, dass es einige lustige Momente darin gebe, doch leider kam dies – vielleicht auch aufgrund der Übersetzung – in der vorgetragenen Passage nicht zur Geltung. So bleibt von diesem Gespräch wohl vor allem Kristín Marja Baldursdóttirs Liebe zum Wasser im Gedächtnis, ihr Bedürfnis darüber zu schreiben und ihre Aussage, dass sie die deutsche Sprache an einen gefrorenen Wasserfall im Winter erinnere.