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Auf der Fantasy-Leseinsel: Kai Meyer

Auch Kai Meyer ist ein Stammgast der Buchmesse und wird von seinen zahlreichen Fans sehnsüchtig erwartet. Der Autor war gut gelaunt, nur etwas in Sorge, dass am Nachbarstand eine angekündigte Musikveranstaltung das Lesungserlebnis für das Publikum trüben könnte. Erfreulicherweise war dem aber nicht so.

Kai Meyer, der laut Programm eigentlich aus „Arkadien brennt“ lesen sollte, kündigte an, er lese aus dem erst im Herbst erscheinenden dritten Band der Reihe. Dieser Band sei fertig geschrieben und werde gerade lektoriert. Allerdings könne er aktuell keinen Titel nennen und auch nichts zum Cover sagen: Erst ab April darf er – Kai Meyer – Titel und Cover öffentlich machen.

So gab es also einen schönen Appetitanreger auf der Buchmesse:

Die von Kai Meyer ausgewählte Szene spielte in einem Zug. Rosa und Allessandro sind auf der Flucht vor dem Harpyen-Malandra-Clan und stecken in diesem Zug auf Sizilien fest. Als der Zug in einen Tunnel einfährt, wird er gestoppt und die Lampen gehen aus: Der Malandra-Clan ist da und bewegt sich gnadenlos und ohne Rücksicht auf menschliche Opfer durch den Zug. Die Lesung endete in dem Moment, als eine Harpye Rosas und Allessandros Waggon betritt 😉

Der dritte Band sei, wie er ausführte, ein schnelles Buch. Wäre es ein Film, würde man Roadmovie dazu sagen. Und es werde kräftig gestorben.  Da auch Kai Meyer ein Autor ist, der gerne mit seinen Lesern spricht, stellte er sich nach der Lesung den Fragen des Publikums.

Ein wenig zum Schmunzeln brachte ihn die regelmäßig wiederkehrende Frage, welches seiner Bücher sein eigenes Lieblingsbuch sei. Es sei durchaus so, dass ihm die ersten Bände seiner Reihen am Herzen lägen und aktuell die Arkadienreihe. Was die älteren Romane anginge, so habe er häufig bestimmte Personen oder Szenen weiterhin im Kopf, auch wenn er sich an Einzelheiten der Handlungen nicht immer erinnere. Dies bedeute also nicht, dass er seine älteren Sachen nicht möge. Er habe inzwischen allerdings schon gut 50 Bücher geschrieben und Details, gerade der früheren Geschichten, gingen dann schon mal verloren. In diesem Zusammenhang erwähnte Kai Meyer auch „Die Alchimistin“ und „Die Unsterbliche“, die offenbar auch ihm aktuell wieder sehr präsent sind. Das verwundert nicht: Beide Romane erscheinen demnächst in neuer Ausgabe, und zwar intensiv von ihm überarbeitet.

Es wurde deutlich: Kai Meyer ist ein produktiver Autor. Der dritte Arkadienband ist im Lektorat, die zwei Alchimistinnen-Bücher wurden überarbeitet und aktuell entwickelt er zwei neue Konzepte. Bei dem einen Projekt handele es sich um einen im Jugendbuchverlag erscheinenden Titel, bei dem anderen um einen „Erwachsenenroman“. Er stellte aber klar, dass auch dieses zweite Buch für Leser ab 13/14 Jahre geeignet sein werde, es erscheine nur nicht in einem expliziten Jugendbuchverlag.

Und es gab weitere Fragen:
Er sehe es nicht so, dass er weibliche Hauptcharaktere bevorzuge. Vielmehr sei in seinen Romanen auch mindestens ein starken männlichen Charakter mit eigener Vita enthalten. Inspiriert zum Schreiben wurde er durch Tolkien. Er wollte eigene Welten schaffen, aber nicht unbedingt Elfen. Von den „eigenen Welten“ habe er sich aber dann doch wieder abgewandt. Er siedele seine Geschichten lieber in unserer – wenn auch verfremdeten – Welt an. Als Beispiel nannte er das Venedig der Merle-Trilogie. Andere Autoren, die ihn in den 90er Jahren inspiriert hätten, wären Clive Barker und Neil Gaiman gewesen.

Es gab also jede Menge Informationen und einen Vorgeschmack auf den demnächst erscheinenden Arkadien-Band. Der sichtbar energiegeladene und gut aufgelegte Kai Meyer und seine interessierten Fans haben die halbe Stunde auf der Fantasy-Leseinsel wahrlich intensiv genutzt!

Kai Meyer und Andreas Fröhlich mit „Arkadien brennt“ im Lesezelt

Am Freitag stellte Kai Meyer den zweiten Band seiner „Arkadien“-Reihe im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse vor. Unterstützung erhielt er dabei von dem Sprecher Andreas Fröhlich, der die Hörbuchversion von „Arkadien brennt“ eingelesen hat. Nach einer kurzen Vorstellung der Vorgänge im ersten Teil „Arkadien erwacht“ und der Hauptfiguren, Rosa Alcantara und Alessandro Carnevare, geht Kai Meyer auf die Handlung des aktuellen Bandes ein.

Rosa und Alessandro sind nach den Ereignissen in „Arkadien brennt“ mit gerade mal 18 Jahren die Oberhäupter ihrer jeweiligen Mafia-Familien. Während Alessandro sich jahrelang auf diese Verantwortung vorbereitet hatte, hat Rosa keine Ahnung vom Geschäft – und mit jedem Tag ist sie frustrierter, weil sie eigentlich nichts mit den kriminellen Machenschaften ihrer Organisation zu tun haben will. Außerdem muss sie immer noch das Versprechen einlösen, das sie ihrer sterbenden Schwester Zoe gegeben hatte, und wieder zurück nach New York reisen, um mehr über eine eventuelle Verbindung ihres Vaters zu der geheimnisvollen Organisation „Tabula“ herauszufinden.

So begann Kai Meyer die Lesung mit einer amüsanten Passage, in der sich Rosa und Alessandro am Flughafen verabschieden, wobei die beiden nicht wenige Probleme haben, ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten bei all dem Abschiedsschmerz im Zaum zu halten. Nach einer kurzen Überleitung führte Andreas Fröhlich die Lesung mit einer Szene in New York fort. Nach ihrer Ankunft in New York war Rosa auf den amerikanischen Zweig von Alessandros Clan gestoßen und wird nun in der von dem Profi gelesenen Passage von einem ganzen Rudel Raubkatzen durch den nächtlichen Central Park gejagt. Die gewählten Textstellen boten dem Publikum einen schönen Einblick in die in „Arkadien brennt“ zu erwartenden Geschehnisse. Rosas Charakter und die Herausforderungen, denen sie sich in New York stellen muss, versprechen eine unterhaltsame und spannende Geschichte – ein Eindruck, der durch Andreas Fröhlichs gelungen Vortrag nur bestärkt wird.

Gegen Ende der Lesung tauschten sich der Autor und der Sprecher noch über ihre jeweiligen Arbeitsweisen aus. So erzählte Kai Meyer, dass er jeden Roman vor dem eigentlichen Schreiben komplett durchkonzipiert und für dieses Exposé (inklusive Recherche) ebensoviel Zeit aufwendet wie für das eigentliche Ausformulieren der Geschichte. Auch war es für ihn nicht ganz einfach, eine Liebesgeschichte wie die von Rosa und Alessandro zu schreiben, da die beiden in den ersten beiden Bänden doch recht wenig Zeit miteinander verbringen. Das allerdings wird sich im Abschlussband ändern, denn den hat der Autor (wie er bei dieser Gelegenheit verriet) eher wie ein „Road Movie“ konzipiert – und so werden die beiden Hauptfiguren sehr viel zusammen unterwegs sein und einiges miteinander erleben.

Auf eine Frage von Andreas Fröhlich meinte Kai Meyer noch, dass er sich von allen möglichen Medien inspirieren lässt und es genießt, zum Beispiel Filme zu analysieren, um herauszufinden, was ihn daran so fasziniert hat. Und er gab auch zu, dass er bei jedem seiner Bücher im Nachhinein Stellen findet, die er noch überarbeiten würde, wenn er könnte – und so nimmt er sich auch die Freiheit heraus, einen Text für eine Lesung so zu verändern, dass er sich gut lesen lässt. Im Gegenzug lässt sich Kai Meyer noch eine Frage von Andreas Fröhlich beantworten, und so erfährt das Publikum, dass professionelle Hörspielstudios fremdsprachige Begriffe von Muttersprachlern einsprechen lassen. Der Sprecher bekommt diese Tonbeispiele bei der Lesung über Kopfhörer eingespielt und spricht dann das fremde Wort nach. Letztendlich hat diese Lesung dem – vorwiegend jungen und weiblichen – Publikum nicht nur große Lust auf den zweiten „Arkadien“-Band gemacht, sondern ihm auch einen kleinen, interessanten Einblick in die Arbeit von Autor und Hörbuchsprecher gewährt.