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Derek Landy im Interview

Nachdem wir uns bereits vor vier Jahren zu einem ausführlichen Interview mit Derek Landy auf der Buchmesse trafen, nutzten wir die Gelegenheit seiner Rückkehr nach Frankfurt in diesem Jahr dazu, mit ihm kurz über den neuesten Stand der Dinge zu plaudern. Derek erzählt uns, was wir vom aktuellen „Skulduggery Pleasant“-Band „Rebellion der Restanten“ (auf Deutsch erschienen im Loewe Verlag) erwarten können, was der Rest der neunbändigen Reihe noch für uns bereithalten wird und was er an den „Gilmore Girls“ so mag. Ein übersetztes Transkript des Interviews gibt es später auf der booklove.de-Hauptseite, hier aber schon mal vorab das Video zum Interview im englischen Original. Über den HD-Button unten rechts im Player kann man sich den Clip in der besten Qualität anschauen. Die gelegentlich etwas unvorteilhafte Kameraführung liegt daran, dass das Gespräch auf die Schnelle entstand und leider keine Zeit mehr zum Aufbau des Stativs war. Wir bitten dies zu entschuldigen.

SR-Kinder- und Jugendbuchliste Frühjahr 2011

Schon seit Jahren ist der Saarländische Rundfunk auf der Leipziger Buchmesse präsent und stellt die Kinder- und Jugendbücher der jeweiligen Frühjahrsliste vor. So auch dieses Jahr.

Wie die Moderatorin Barbara Renno vom SR2 Kulturradio anmerkte, habe der Sender seiner Kinder- und Jugendbuchliste Frühjahr 2011 ein neues Layout verpasst. Es würden nun nicht mehr nur die Titel genannt, sondern auch die Cover abgebildet. Dies mache den Zugang für noch nicht lesekundige Kinder einfacher.

Auch in diesem Jahr war es so, dass diverse Titel von Schülern des Evangelischen Schulzentrums Leipzig gelesen und bewertet wurden. In der Veranstaltung am Freitag stellten nun jeweils zwei Schüler einen Titel vor und im Anschluss führte Frau Renno noch ein kurzes Gespräch mit dem Autor, dem Illustrator oder dem Hörbuchsprecher, die ebenfalls eingeladen waren.

Die Schüler haben ihre Aufgabe sehr ernstgenommen: Die Titel wurden kurz inhaltlich vorgestellt, aber zuviel wurde nicht verraten. Teilweise sorgten die Kommentare für Schmunzeln und Lachen, einfach weil die Aussagen so trocken und cool herüberkamen, zum Beispiel als ein Schüler bei dem vorgestellten Text-/Bilderbuch „Die Möwe und das Meer von Farben“ anmerkte: Das wäre auch was für die Jüngeren, so ab 2 Jahren. Das Gedicht von Anja Tuckermann über die blauliebende Möwe ist wirklich wunderschön von Daniela Chudzinski illustriert worden (klick).

Berührend waren die Vorstellungen der Bücher „Nirgendwo in Berlin“ von Beate Teresa Hanika und „Krieg – stell Dir vor, er wäre hier“ von Janne Teller. Das erstgenannte Buch thematisiert die Internetgefahr für Kinder und Jugendliche. Es geht um das vermisste Mädchen Pauline, wobei ihr Verschwinden offenbar mit einem Chatroom zu tun hat. Die Protagonistin Greta entschließt sich, das Mädchen zu suchen. Die Autorin merkte in dem Gespräch an, dass sie sich recherchehalber auch als fiktive 15jährige in einem Chatroom angemeldet habe und bereits in dieser ersten Sitzung von jemanden angechattet wurde, der offenbar viel älter als 15 war.

In Janne Tellers Essay „Krieg – Stell Dir vor er wäre hier“ geht es um das Gedankenspiel, dass die Europäische Union zerbrochen sei und in Deutschland und den europäischen Ländern Krieg herrsche. Der Text richtet sich direkt an den Leser, spricht ihn – wie die vorstellenden Schüler sagten – mit „Du“ an und kommt daher so nahe. Du bist der- bzw. diejenige, die mit den Eltern in die arabische Welt fliehen muss und dort im Lager die Entscheidung über den Asylantrag abwarten muss etc. Eine Schülerin sagte: „Man lernt eigentlich nicht wirklich etwas, aber man denkt nach“. Janne Teller, die auf die Bühne kam, freute sich über die Wertschätzung ihrer Titel in Deutschland sichtlich.

Ein wenig seltsam war schon, ein farbenfrohes Bilderbuch des Fantasy, Science-Fiction und Horrorautor Markus Heitz zu sehen. „Das Angstmacherchen“ sei entstanden, nachdem seine kleine Tochter das erst Angsterlebnis hatte. Um ihr und anderen Kinder zu erklären, was es mit der Angst auf sich hat und was man dagegen tun könne, habe er die kurze Geschichte geschrieben. Die notwendige Kürze des Textes sei auch die größte Herausforderung gewesen, gab Markus Heitz zu.

Insgesamt wurden 8 der 12 Titel der Kinder- und Jugendbuchliste vorgestellt.

Die Veranstaltung war gut besucht. Es waren nicht nur Kinder und Jugendliche da, sondern auch Erwachsene. Und es war spürbar, dass das Publikum interessiert war, nicht nur wegen der bekannten Namen wie Janne Teller oder Markus Heitz, sondern auch wegen der von den Schülern vorgestellten Titel.  Die gesamte SR-Kinder- und Jugendbuchliste Frühling 2011 ist übrigens hier (klick) abrufbar.

Kai Meyer und Andreas Fröhlich mit „Arkadien brennt“ im Lesezelt

Am Freitag stellte Kai Meyer den zweiten Band seiner „Arkadien“-Reihe im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse vor. Unterstützung erhielt er dabei von dem Sprecher Andreas Fröhlich, der die Hörbuchversion von „Arkadien brennt“ eingelesen hat. Nach einer kurzen Vorstellung der Vorgänge im ersten Teil „Arkadien erwacht“ und der Hauptfiguren, Rosa Alcantara und Alessandro Carnevare, geht Kai Meyer auf die Handlung des aktuellen Bandes ein.

Rosa und Alessandro sind nach den Ereignissen in „Arkadien brennt“ mit gerade mal 18 Jahren die Oberhäupter ihrer jeweiligen Mafia-Familien. Während Alessandro sich jahrelang auf diese Verantwortung vorbereitet hatte, hat Rosa keine Ahnung vom Geschäft – und mit jedem Tag ist sie frustrierter, weil sie eigentlich nichts mit den kriminellen Machenschaften ihrer Organisation zu tun haben will. Außerdem muss sie immer noch das Versprechen einlösen, das sie ihrer sterbenden Schwester Zoe gegeben hatte, und wieder zurück nach New York reisen, um mehr über eine eventuelle Verbindung ihres Vaters zu der geheimnisvollen Organisation „Tabula“ herauszufinden.

So begann Kai Meyer die Lesung mit einer amüsanten Passage, in der sich Rosa und Alessandro am Flughafen verabschieden, wobei die beiden nicht wenige Probleme haben, ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten bei all dem Abschiedsschmerz im Zaum zu halten. Nach einer kurzen Überleitung führte Andreas Fröhlich die Lesung mit einer Szene in New York fort. Nach ihrer Ankunft in New York war Rosa auf den amerikanischen Zweig von Alessandros Clan gestoßen und wird nun in der von dem Profi gelesenen Passage von einem ganzen Rudel Raubkatzen durch den nächtlichen Central Park gejagt. Die gewählten Textstellen boten dem Publikum einen schönen Einblick in die in „Arkadien brennt“ zu erwartenden Geschehnisse. Rosas Charakter und die Herausforderungen, denen sie sich in New York stellen muss, versprechen eine unterhaltsame und spannende Geschichte – ein Eindruck, der durch Andreas Fröhlichs gelungen Vortrag nur bestärkt wird.

Gegen Ende der Lesung tauschten sich der Autor und der Sprecher noch über ihre jeweiligen Arbeitsweisen aus. So erzählte Kai Meyer, dass er jeden Roman vor dem eigentlichen Schreiben komplett durchkonzipiert und für dieses Exposé (inklusive Recherche) ebensoviel Zeit aufwendet wie für das eigentliche Ausformulieren der Geschichte. Auch war es für ihn nicht ganz einfach, eine Liebesgeschichte wie die von Rosa und Alessandro zu schreiben, da die beiden in den ersten beiden Bänden doch recht wenig Zeit miteinander verbringen. Das allerdings wird sich im Abschlussband ändern, denn den hat der Autor (wie er bei dieser Gelegenheit verriet) eher wie ein „Road Movie“ konzipiert – und so werden die beiden Hauptfiguren sehr viel zusammen unterwegs sein und einiges miteinander erleben.

Auf eine Frage von Andreas Fröhlich meinte Kai Meyer noch, dass er sich von allen möglichen Medien inspirieren lässt und es genießt, zum Beispiel Filme zu analysieren, um herauszufinden, was ihn daran so fasziniert hat. Und er gab auch zu, dass er bei jedem seiner Bücher im Nachhinein Stellen findet, die er noch überarbeiten würde, wenn er könnte – und so nimmt er sich auch die Freiheit heraus, einen Text für eine Lesung so zu verändern, dass er sich gut lesen lässt. Im Gegenzug lässt sich Kai Meyer noch eine Frage von Andreas Fröhlich beantworten, und so erfährt das Publikum, dass professionelle Hörspielstudios fremdsprachige Begriffe von Muttersprachlern einsprechen lassen. Der Sprecher bekommt diese Tonbeispiele bei der Lesung über Kopfhörer eingespielt und spricht dann das fremde Wort nach. Letztendlich hat diese Lesung dem – vorwiegend jungen und weiblichen – Publikum nicht nur große Lust auf den zweiten „Arkadien“-Band gemacht, sondern ihm auch einen kleinen, interessanten Einblick in die Arbeit von Autor und Hörbuchsprecher gewährt.

Thomas Thiemeyer und „Der Palast des Poseidon“

Am Freitag stellte Thomas Thiemeyer im Kinder- und Jugendbuchforum der Frankfurter Buchmesse den zweiten Band seiner Reihe „Die Chroniken der Weltensucher“ vor. Nach einer kurzen Einführung, bei der das Publikum die Charaktere des ersten Bandes („Die Stadt der Regenfresser“) kennenlernte und grob erfuhr, worum sich die Geschichte in diesem Roman gedreht hatte, ging es dann los mit dem aktuellen Buch.

„Der Palast des Poseidon“ beginnt – wie schon „Die Stadt der Regenfresser“ – mit einem abenteuerlichen Prolog. Man verfolgt, wie Kapitän Vogiatzis auf dem Mittelmeer mit seinem Dampfschiff inmitten eines Sturms versucht, einen Richtungshinweis zu finden. Gerade als er einen Leuchtturm erblickt, muss er feststellen, dass mehr als eine Positionslampe am Horizont aufleuchten – und kurz darauf wird sein Schiff „Kornelia“ von monströsen Fangarmen in die Tiefe gerissen.

Abwechselnd erzählend und lesend, berichtet Thomas Thiemeyer, wie der Forscher Carl Friedrich von Humboldt und sein Assistent Oskar in die rätselhaften Ereignisse, die zum Verschwinden einiger Schiffe geführt haben, verwickelt werden. Obwohl der Autor in den actionreichen Passagen ein deutlich langsameres Tempo hält, als es ein professioneller Sprecher tun würde, liest Thomas Thiemeyer sehr mitreißend. Doch seine Stärke liegt vor allem in den eher langsamen Passagen, in denen er – zum Teil auch mit Akzent – den Figuren Lebendigkeit verleiht.

Carl Friedrich von Humboldt, der sich am Ende des ersten Bandes der Reihe um „Die Chroniken der Weltensucher“ von der Universität verabschiedete, ist inzwischen als Ermittler im Bereich „phantastischer Phänomene“ unterwegs. Um das Rätsel der verschwundenen Schiffe aufzuklären, muss er zusammen mit Oskar, dem Erfinder Hippolite Rimbault und dessen Tochter Océanne in einer Tauchglocke in die Tiefen des Mittelmeers vordringen.

Zum Abschluss seiner Lesung zeigt der Autor nicht nur das (von ihm selbst gemalte) Originalbild für das Cover, sondern gibt auch noch ein paar Informationen über den nächsten Band dieser Serie preis, und so erfährt das Publikum, dass Oskar zusammen mit Humboldt und den anderen nach Westafrika reisen wird, um sich mit dem Volk der Dogon auseinanderzusetzen. Selbst bei diesen wenigen Andeutungen wird deutlich, wie sehr Thomas Thiemeyer von diesem Volk fasziniert ist, welches schon vor langer Zeit von Sternbildern wusste, die in Europa erst in der modernen Zeit mit hochentwickelter Technik entdeckt werden konnten. Bei so viel Begeisterung für das Thema wird wohl auch der dritte Band wieder spannend werden.