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Craig Thompson und „Habibi“

Die deutsche Wikipedia erklärt: Das Wort Habibi ist arabisch und kann mit „mein Geliebter“ übersetzt werden. Der 1975 geborene us-amerikanische Autor und Comiczeichner hat genau dieses arabische Wort als Titel für seine neue Graphic Novel gewählt. „Habibi“ erzählt auf 672 Seiten die bewegende Geschichte von Dodola und Zam, zwei Sklavenkindern, die der Zufall eint, das Schicksal auseinanderreißt, und deren tiefe Liebe zueinander allen Widrigkeiten zum Trotz überdauert.

 

 

Das Werk ist opulent in mehrfacher Hinsicht: Bereits der Einband mit Goldprägung lässt den Leser verweilen. Auf Front- und Rückseite befindet sich jeweils eine schwarz-weiße Zeichnung von Dodola und Zam: Auf der Vorderseite hält Dodola Zam schützend in ihren Armen, auf der Rückseite ist es Dodola, die sich an Zam schmiegt. Und auch der Buchrücken hält eine Zeichnung der beiden Charaktere bereit. Das Buch selbst liegt schwer, aber noch griffig in der Hand. Innen erwarten den Leser schwarz-weiß Tuschezeichnungen, filigran, ausdrucksstark, verziert mit detaillierten Ornamenten, Zahlenmystik, Bild- und Sprachgewalt.

 

(Originaltext und Zeichnung von Craig Thompson, Szene aus seiner Graphic Novel „Habibi“ in Deutschland erschienen im Reprodukt Verlag)

 

Craig Thompson erzählte am 13.10.2011 auf der Frankfurter Buchmesse ein wenig von seiner Arbeit an „Habibi“. Nach „Blankets“ habe er eigentlich  nicht noch einmal so ein umfangreiches Buch schaffen wollen, angedacht seien von ihm so ca. 200 Seiten gewesen. 2004 habe er mit dieser Geschichte begonnen. Während einer dreimonatigen Buchpräsentationstour habe er sich eine Auszeit von drei Wochen genommen und sei nach Marokko gefahren, seinen Skizzenblock hatte er dabei. Sein erster Entwurf war linear, schneller, aber irgendwie flach. Die Figuren und die Geschichte entwickelte sich aber weiter und wurde u.a. durch das stilistische Mittel von Zeitsprüngen wie Flashbacks tiefer. Inspiriert worden sei er zum einen durch Geschichten aus 1001 Nacht, die jedoch zum Großteil ihrer phantastischen Elemente beraubt wurden. Er habe außerdem die Gemeinsamkeiten der christlichen, islamischen und jüdischen Religionen erforschen wollen – diese drei Offenbarungsreligionen beziehen sich alle auf Abraham.

 

 

„Habibi“ spielt in einer fiktiven Welt, aber hier wie dort gibt es Zwangsheirat, Sklaverei, Ausbeutung von Kindern, die – ebenso wie Sexualität – von Craig Thompson unverhüllt präsentiert werden. Hinzu kommt die Vielschichtigkeit in Bezug auf Umwelt, Industrie, der Gegensatz von reich und arm, natürlich der Religion (verschiedene Propheten) und letztlich der Struktur der Geschichte und ihrer Gestaltung. Neben den bereits angesprochenen Zeitsprüngen kommt die Graphic Novel zum Teil ohne Zeichnungen aus und der Prophet Mohammed wird verhüllt dargestellt.

 

Eine großartige akademische Basis für diese Graphic Novel habe es nicht gegeben, erklärt Craig Thompson im Gespräch. Mit Freunden habe er gesprochen, das arabische Alphabet habe er gelernt. 7 Jahre habe er an „Habibi“ gearbeitet – was nicht verwundert, schaut man sich das fertige Werk an – und auch von seinen arabischen Freunden positive Reaktionen hierauf erfahren.

 

Angesprochen auf seine weiteren Pläne erklärte Craig Thompson, dass er demnächst drei parallel laufende Projekte in Angriff nehmen möchte. Diese drei Projekte sind schon voneinander verschieden, er wolle sie nur parallel und gleichwertig in Angriff nehmen. Von ihm geplant seien jeweils ca. 200 Seiten pro Titel. Einer davon soll ein all-age-Comic werden, auf den er sich bereits jetzt freue.

 

Nach dem Gespräch mit Craig Thompson gab der Künstler noch ein kurzes TV-Interview, welches am 14.10.2011 im ARD-Fernsehprogramm ausgestrahlt werden soll. Abgerundet wurde die Veranstaltung dann mit einer einstündigen Signierstunde.

 

Weitere Informationen zur Graphic Novel und Craig Thompson findet man auf www.habibibook.com und www.dootdootgarden.com

Workshop-Feeling: Wie entsteht ein Manga?

Wie ist das eigentlich, wenn man einen Manga schreiben will. Und nicht nur schreiben, sondern auch zeichnen. Unter der Moderation von Matthias Wieland berichteten die Autorin Anne Delseit und die Zeichnerin Martina Peters, deren gemeinsame Manga-Reihe „Lilientod“ bei Carlsen erscheint, am Freitag von ihrer Arbeit.

Die beiden Künstlerinnen, die mit diesem und weiteren Workshops regelmäßig unterwegs sind, führten professionell  mit Folien, Leinwandprojektion und Laserpointer durch die Präsentation.

Am Beginn stehe natürlich die Ideenfindung, egal ob man einen Manga oder einen Comic oder etwas anderes schreiben wolle. Anne Delseit empfahl aus eigener Erfahrung, wirklich jede Idee zu notieren und zu sammeln. Schließlich wäre es ja schade, wenn man sie vergessen würde. Aus der Idee wäre dann das Konzept zu entwickelt und zu recherchieren. Hierin stecke ein Großteil der schriftstellerischen Arbeit und Planung, da man im Konzept den Handlungsverlauf, die Charaktere und deren Entwicklung kreiere und niederlege. Auch welche Klischees man mit welchen Figuren in welchem Ausmaß man nutzen oder brechen wolle – gerade in Bezug auf Plotwendungen – fließe in das Konzept ein.

Wenn man den Manga einem Verlag anbietet – oder eine Auftragsarbeit abliefern soll -, müsse man dieses Konzept allerdings auf ein Exposé von wenigen Sätzen reduzieren. Außerdem ist es hilfreich, in einigen Sätzen Informationen zu den Charakterhintergründen zu skizzieren. Diese seien zwar im Kopf des Autors, der ja wissen, weshalb ein Charakter motiviert ist, etwas zu tun, aber diese Informationen erscheinen in Ausführlichkeit im Exposé und der Verlagsmitarbeiter könne ja nicht in den Autorenkopf schauen 😉

Stehe das Konzept, schreibe man die einzelnen Szenen. Wie ausführlich diese in Bezug auf die zeichnerische Umsetzung sind, müsse man sehen. Dies hänge vom Autor ab, zeichnet er selbst, kennt er den Zeichner oder hat dieser Vorlieben etc. Im Grunde könne man aber sagen, dass der Autor ein Drehbuch schreibe, ggf. mit Regieanweisungen und Charaktervorgaben.

Die Präsentation wurde dann von Martina Peters fortgesetzt, da sich jetzt die zeichnerische Arbeit anschließe. Wenn sie den Autorentext habe, erstelle sich zuerst gleichfalls eine Art zeichnerisches Konzept. In schnellen Skizzen, denn es ist ein erster grober Entwurf, werde zunächst das Seitenlayout entworfen: Wie sind die Panels anzuordnen, wie soll der Leser durch die Seite geführt werden, wo sind Kontrastfarben zu setzen und wo steht der Text? Aus Erfahrung empfehle sie, bereits jetzt in den Panels Platz für Sprechblasen zu reservieren. So müsse man später bei der Einzelbildgestaltung nicht wieder zum Seitenaufbau zurück, weil man auf einmal keinen Platz für den Text habe 😉

Diese Layout-Phase sei für den Zeichner mit am intensivsten und langwierigsten. Sie habe für sich festgestellt, dass für sie das kapitelweise Vorgehen gut funktioniere. Die Arbei sei so überschaubar und es könnten gut Pausen zwischen den Kapiteln eingelegt werden.

Erst im Anschluss würden detaillierte Einzelzeichnungen folgen.

Szene aus "Lilientod", Zeichnung Anne Delseit - Platzhalteraus „Lilientod“, Zeichnung Martina Peters

hier: Platzhalter für Text, Schwarzzeichnungen

Anhand von projezierten Einzelszenen führte Martina Peters aus, wie nach und nach die Doppelseiten gestaltet würden: Platzhalter für Sprechblasen und Kontraste in ausführlichen Zeichnungen, das Einfügen der Texte, Hintergründe und weitere grafische Gestaltung (Schatten, Rasterung etc.).

aus „Lilientod“, Zeichnung von Martina Peters, Text Anne Delseit

hier: Sprechblasen, Textumfang, Größe

Zwischendurch würde immer wieder die Abstimmung mit der Autor erfolgen. Als Zeichner mache man sich den Text zu eigen, setze ihn um, stimme dann seine Vorstellung mit dem Autor ab – und erst dann mit dem Redakteur.

aus „Lilientod“, Zeichnung von Martina Peters

hier: Platzhalter Sprechblasen, Hintergründe

Was die handwerkliche Arbeit anginge: Manche Zeichner bevorzugen Fineliner, andere Tusche für die Zeichnungen. Tusche habe sicherlich den Vorteil, dass während des Zeichnens durch Druckveränderung die Bilder in einem Schritt lebendiger werden. Andere bevorzugen einen gleichmäßigen Finelinerstrich, allerdings sei der Fineliner auch regelmäßig nicht lichtecht.

Sind die Skizzen im Rechner für die weitere Bearbeitung, sollte man nachfolgend auch die Vorteile des Blaudrucks nutzen. So könne man in blau die Zeichnungen „dünn“ ausdrucken, diese tuschen und dann – zwecks Versand an Autor oder Verlag – einscannen, ohne die Blauskizze radieren zu müssen. Denn beim Scannen des dann getuschten Bildes wird dieser Blaudruck vom Scanner nicht erfasst.

Natürlich konnte ein richtiger Workshop in der knappen Stunde nicht abgehalten werden. Viele Einzelfragen, wie zum Beispiel Storyentwicklung oder Fragen zur Rasterung,, Material- und PC-Programm-Nutzung, Graphictablets etc. sind im Detail außen vor geblieben.

Aber man erhielt einen interessanten Überblick über die Entstehung eines Manga und die beiden Künstlerinnen waren erkennbar mit Freude dabei. Und wer mehr ins Detail gehen will, kann ja ausführlichere Workshops, zum Beispiel von Anne Delseit und Martina Peters, besuchen …

Lucky Luke, ACHDÉ und Klaus Jöken

Am Samstag ging es in Halle 2 auf dem Schwarzen Sofa um den neuen Lucky-Luke-Band 88 „Lucky Luke gegen Pinkerton“. Naja, ehrlich gesagt ging es um den französischen Künstler ACHDÉ, der die Comicserie zeichnerisch fortführt 🙂

Unterstützt von Klaus Jöken, der auch für die Übersetzung der Lucky-Luke- und Asterix-Bände verantwortlich ist, führte Klaus Schikowski das Gespäch mit dem äußerst gut gelaunten ACHDÉ und fragte gleich einmal nach, wie es denn zu der Zusammenarbeit mit Morris, dem Begründer der Lucky-Luke-Reihe, gekommen sei.

Morris war auf ACHDÉ aufmerksam geworden, als letzterer die Abenteuer von Rantanplan umsetzte. Morris holte ihn zu Lucky Luke, verstarb dann aber. ACHDÉ habe dann gedacht, dass sich die Arbeit an Lucky Luke für ihn leider erledigt habe. Überraschenderweise sei aber nach ca. 8 Monaten der Verleger auf ihn zugekommen: Morris habe die Weiterführung von Lucky Luke unter der zeichnerischen Federführung von ACHDÉ gewünscht. Er – ACHDÉ – sei hin und weg gewesen, weil sich für ihn ein Kindheitstraum erfüllt habe. Seine Ehefrau, erzählte er lachend, habe diese unglaubliche Neuigkeit mit „Ja gut, komm runter zum Essen“ kommentiert.

Auf Nachfrage erklärte ACHDÉ, dass es für ihn nicht wirklich ein Problem darstellte und darstellt, im Charakterdesign zu Lucky Luke „eingeschränkt“ zu sein. Er habe auch keine Schwierigkeiten, die Serie in Morris Stil fortzuführen.

Zum einen habe er zu Beginns seiner Karriere Zeichnungen in Morris Stil kreiert; diese Ähnlichkeit sei auch kritisiert worden. Er musste damals einen neuen Stil entwickeln – mit Lucky Luke würde er jetzt eigentlich nur zu seinen Wurzeln zurückkehren.

Zum anderen sei für ihn der Comic „an sich“ wichtiger, also die Kontinuität und der Wiedererkennenswert für den Leser. Er trete hier als Künstler freiwillig und weitgehend zurück. Die heutigen Comiczeichner würden das häufig anders sehen und handhaben, da sie das Eigene publiziert sehen wollen. ACHDÉ erwähnte in diesem Zusammenhang „Spirou“. Er sehe es so: Man habe früher den Comic „Lucky Luke“ gekauft, weil es „Lucky Luke“ war und nicht weil die Zeichnungen von Morris stammten. In diesem Sinne führe er den Comic fort. Der Übersetzer Klaus Jöken sieht und handhabt dies übrigens auch so.

ACHDÉ gab in diesem Zusammenhang noch eine Anekdote zum Besten: Bei einer Signierstunde in Kanada habe ihm eine ältere Frau ein Kompliment dahingehend gemacht, dass er sich „gut gehalten“ habe. Sie hatte gedacht, er sei Morris 🙂

Es wurde im Gespräch aber auch deutlich, dass sich der Comic sowohl storytechnisch, als auch zeichnerisch weiterentwickelt habe, wobei der Wiedererkennungswert aber nicht gelitten habe.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

Während sich Morris früher zum Beispiel an John-Ford-Western, Sam Peckinpah, sogar ein ganz klein bißchen auch an den Spaghetti-Western von Sergio Leone orientierte, greife er auch auf Western der letzten Jahre zurück wie „Todeszug nach Yuma“ oder „Open Range“. Auch treibe er – ACHDÉ – zeichnerisch die Handlung stärker voran als es Morris tat.

Und auch vor Lucky Luke machen die Veränderungen erzähltechnisch nicht halt: In der Entstehungzeit des Comic wurde der strahlende Held präsentiert. Zuletzt war dieses auch ein Kritikpunkt gegenüber Morris, da Lucky Luke schlicht zu perfekt war. Heute sei Lucky Luke weiterhin ein Held, aber menschlich. Ihm passieren Missgeschicke, er wird im Pinkerton-Band sogar quasi in Frührente geschickt.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

Beide, ACHDÉ und auch Klaus Jöken als Übersetzer, betonten außerdem, dass Lucky Luke nicht nur als Westernparodie angelegt ist, sondern auch als Comic für Kinder und Erwachsene. Dies bedeute für den Zeichner und den Texter/Übersetzer auch, dass der Comic immer vielschichtig sein müsse: Sowohl die Geschichte, als auch die Gags müssen für Kinder greifbar sein, ohne dass es für die Erwachsenen uninteressant würde. Für diese müsse auf anderer Ebene mehr enthalten sein (beim Pinkerton-Band z.B.  Rückschlüsse auf Überwachungsstaat etc.), ohne dass man die Kinder hierdurch „verliere“.

Er – ACHDÉ – schätze es im Übrigen sehr, wenn ihm von den Textern und Szeneristen Raum für eigene Entwicklungen gelassen werde. Als Beispiel führte der die Vorgabe des Szeneristen im Pinkterton-Band an: „Lucky Luke betritt das Detektivbüro, wo sich viele Leute befinden“

Die aufgrund dieser Vorgabe von ihm geschaffene Seite mit humorvollen und auch karikierenden Elementen werde in der Presse gegenüber den Autoren, wie ACHDÉ schmunzelnd sagte, immer wieder als positives Beispiel erwähnt.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

The Simpsons …

Und? Hört man nicht automatisch die Musik der Serie? Sieht man nicht förmlich Bart mit dem Skateboard, Lisa am Saxophon, Marge und Maggie im Supermarkt und Homer in der Garage?

Die von Matt Groening geschaffenen Simpsons sind Kult. Das Design der Show und der Charaktere ist einzigartig. Und Serban Cristescu ist einer der Simpsons-Zeichner, allerdings arbeitet er im Comicbuch-Bereich und nicht direkt bei der TV-Produktion.

Der in Rumänien geborene Serban Cristescu ist 1985 in die Staaten ausgewandert und bekam ca. 1997, 1998 einen Job bei Matt Groening. Der Interviewer Steffen Volkmer vom Panini Verlag fragte selbstverständlich, ob er in den Staaten mit offenen Armen aufgenommen worden sei.

Der gut gelaunte Illustrator bestätigte das natürlich umgehend und erklärte, dass die Straßen mit Gold gepflastert und die Amerikaner ihm Geld geschenkt hätten. 😉 Natürlich hätte er erst einmal lernen müssen. Da war einerseits die Sprache, denn das Schulenglisch hätte nicht gereicht. Und er wäre auf eine Schule gegangen, um Illustrator zu werden. Danach habe er durchaus Glück gehabt. Er sei „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ gewesen.

Serban Cristescu ist Illustrator und kann natürlich zeichnen. Bei „The Simpsons“ zeichne er jedoch nicht die Comicgeschichten, sondern sein Job bestehe darin, das Design und den Look des Buches zu gestalten und zu überwachen und auch Zeichner anzuleiten. Er sei für Layout, Charakterdesign, Cover – und auch Kalender – verantwortlich. Coloration mache er auch – und  zwar gern. Seine Arbeit sei zudem nicht nur auf „The Simpsons“ beschränkt, er habe auch mit „Futurama“ zu tun.

Auf Nachfrage von Steffen Volkmer erklärte er, dass es natürlich Berührungspunkte mit der TV-Produktion gäbe. Dort sei schließlich das „Universum“ der Simpsons geschaffen worden und werde weiter ausgestaltet und in diesem Rahmen bewegen sich auch die Comicgeschichten.

Nach dem fünfzehnminütigen Gespräch hatten die wartenden Fans Gelegenheit, ein paar Fragen an Serban Cristescu zu richten. Witzigerweise wurden die meistens allerdings von Steffen Volkmer beantwortet, z. B. „Was erscheint auf der Kasse, wenn Maggie gescannt wird?“ Während Serban Cristescu passen musste, erläuterte Steffen Volker, dass dort zumindest ursprünglich mal der Jahresunkostenbetrag für ein Baby in den USA angezeigt wurde.

Eine andere Frage war, ob es das „Duff“-Bier tatsächlich gäbe, was zu der Schmunzeln auslösende Feststellung von Serban Cristescu führte, dass der Frager doch zu jung sei, um nach Bier zu fragen. Auch hier konnte Steffen Volkmer „aushelfen“: „Duff“-Bier gibt es nur und ausschließlich in Deutschland, wobei das Design aus Markengründen leicht von der amerikanischen TV-Version abweiche. In den Staaten selbst habe man die Marke bewusst nicht auf den Markt gebracht, da die TV-Show – kurz gesagt – auch für Kids bzw. Jugendliche laufe und man keine Verbindung zwischen Show und Bier wollte.

Nach einigen weiteren Fragen aus dem Publikum, die mit der Coloration und Marges Haaren zu tun hatten, hat Serban Cristescu dann signiert und zu jeder Signatur eine kleine Zeichnung angefertig – allerdings auf Homer und Bart beschränkt. Die Fans dürften dennoch zufrieden gewesen sein …

Die Adaption von Prousts „Verlorener Zeit“ als Graphic Novel

Im Comic-Zentrum war am 07.10.2010 der französische Comicautor und Zeichner Stéphane Heuet zu Gast, der seit über 14 Jahren an der Umsetzung von Marcel Prousts Literaturklassiker „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ als Graphic Novel arbeitet. Mit „Combray“ ist aktuell der erste Teil auch in deutscher Sprache im Knesebeck-Verlag erschienen.

Stéphane Heuet erzählte davon, dass er als junger Mann versucht habe, Proust zu lesen, nur um den Roman nach ein paar Seiten gelangweilt zur Seite zu legen. Etliche Jahre später habe er sich mit seiner Frau unterhalten, die von Proust begeistert war. Also gab er ihm eine weitere Chance … und entdeckte ihn. Prousts Werk strotze vor Leben, Literatur, Kunst und feinsinnigem Humor. Er habe noch in der Werbung gearbeitet, als er darüber nachdachte, „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ als Graphic Novel umzusetzen. Interessanterweise erhalte er heute von den großen Verlagen, denen er früher erfolglos seine Graphic Novel angeboten hatte, Offerten. Stéphane Heuet betonte aber, dass er seinem Stammverlag Delcourt treu bleibe, der an ihn und seine Idee geglaubt und sich auf das Veröffentlichungsrisiko eingelassen habe.

Der sympathische Heuet ließ im Publikum Skizzenhefte herumgehen und präsentierte zudem auf einer Leinwand anhand von Beispielen, wie er Prousts Texte als Graphic Novel umsetze:

Er gehe textorientiert vor und erstelle zunächst nur den Textbogen ohne irgendwelche Zeichnungen. Prousts Werk könne dabei auf vier Arten in den Comic einfließen, und zwar können Passagen
– wegfallen
– in ein Bild übertragen werden, zum Beispiel bei Landschaftsbeschreibungen,
– als Dialog in der Sprechblase oder
– als Offstelle im Textkasten – gegebenenfalls gekürzt – auftauchen.

Nach dem Zeichnen scanne er die Bilder in den Rechner, bearbeite sie und setze die Zeichnungen erst dann in den Textbogen ein.

Dabei erstelle er sehr große detaillierte Zeichnungen. So sei er nämlich in der Lage, im Textbogen auf eine bestimmte Szene des Bildes zuzugreifen oder das Bild zu verschieben (um das Augenmerk auf einen anderen Bereich zu richten), nachträglich weiter zu bearbeiten, zuzuschneiden oder die Sprechblasen frei auf dem Bild zu positionieren.

Sehr interessant und spannend empfände er auch die Recherchearbeit für die zeichnerische Gestaltung der Graphic Novel. So nutze er Fotografien und alte Postkarten, um zum Beispiel zeitgemäße Gebäude einzubringen. Da Proust in seinem Roman über fiktive Künstler und deren Werke schreibt, habe er auch vor der Herausforderung gestanden, diese erfundenen Werke zeichnerisch zu integrieren. Proust selbst sei zwar kein guter Maler, aber ein sehr guter Beschreiber von Kunstwerken gewesen. Dies habe ihm als Basis gedient, real existierende Gemälde zu finden, zu bearbeiten und sodann einzuarbeiten.

Er habe sich auch von Filmen wie Viscontes „Tod in Venedig“ oder Proust-Verfilmungen inspirieren lassen.

Die Umsetzung von Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ als Graphic Novel ist zweifellos ein zeitintensives Projekt …