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Hörspiel-Fans

Was sind denn nun Hörspiele, was macht ihre Faszination aus? Diese und andere Fragen stellte der Moderator René Wagner heute dem Hörspielregisseur Sven Stricker, dem Sprecher und Produzenten Oliver Rohrbeck und dem Rezensenten Olaf von der Heydt.

Die Veranstaltung war gut besucht, das Publikum gemischt. Jung und alt hatten sich versammelt, um den vier Herren zu lauschen. Natürlich waren auch Fans bestimmter Hörspielreihen zugegen, z.B. der Produktion „Die drei ???“. Das war auch nicht verwunderlich, da Oliver Rohrbeck seit Beginn der Produktion Sprecher von Justus Jonas, einem der drei Hauptfiguren dieser Reihe, ist.

Ein Vorurteil wurde auch sofort von allen Beteiligten zurückgewiesen:

Hörspiele, also die szenische Umsetzung durch Kombination von Sprache, Geräuschen und Musik, werden nicht nur von „Nerds und Kindern“ gehört. Die Fangemeinde ist da und Hörspiele bedienen nicht nur den Science-Fiction-, Fantasy- oder Kindermarkt. Es gibt ebenso Hörspieler im Krimi- und Thrillerbereich und in der Belletristik. Manchmal würden die Grenzen verschwimmen, bei szenischen Lesungen mit Musikbegleitung zum Beispiel. Da hier jedoch der Text im Vordergrund stehe, handele es sich aber letztlich um ein Hörbuch. Nicht zu vergessen sei dabei ja auch die Radiogeschichte des Hörspiels, die – u.a. in den „Radio-Tatorten“ – noch immer weiterlebt.

Es war schon interessant zu erfahren, dass die Faszination für das Hörspiel sowohl bei Hern Stricker, als auch bei Herrn Rohrbeck und Herrn von der Heydt offenbar auf den „alten“ Hörspielproduktionen beruhte, als noch viel mit der Stimme geschauspielert wurde und die Geräusche sowie die Musik nurmehr unterstützenden Charakter hatten. Natürlich haben die drei ihre liebsten Schätze noch auf Vinyl, wie man im Gespräch heraushören konnte.

Das bedeute aber nicht, dass man nicht neugierig auf neue Gestaltungsmöglichkeiten sei, sowohl als Hörer als auch als Künstler. Auch wenn man, wie Herr Stricker und Herr Rohrbeck zugaben, manchmal nicht weiterkomme: Sie sind offenbar beide trotz mehrfacher Anläufe an „Otherworld“ gescheitert. Die Umsetzung werde gelobt – von den Kennern des Buches.

Es gäbe auch äußerst spannende Inszenierungen zu entdecken. Herr Stricker führte als Beispiel die NDR-Produktion „Altenglühen oder Speed Dating für Senioren“ an. Dort habe der Regisseur den Schauspielern jeweils eine Rollenbiographie gegeben und die Schauspieler dann das Speed Dating frei improvisieren lassen. Oder man inszeniere die Aufnahmen nicht im Studio mit Geräuschen vom Band etc. , sondern „vor Ort“ mit den dort vorhandenen Tönen, dem Echo (z.B. in Säälen) arbeite.

Natürlich kam auch die Preisfrage auf den Tisch. Eine Hörspielproduktion koste durch den Cast, die Inszenierung und Produktion offensichtlich mehr als die Einlesung eines Hörbuches. Der potentielle Käufer sehe das dann so: Statt zwei Hörspiel-CDs für 14,95 EUR kann er eine Lesung über 10 CDs erhalten. Gerade für kleinere Labels stelle dies ein echtes Problem dar, besonders, wenn dann auch schwarz heruntergeladen oder Hörspiele weitergegeben werden. Während Argon, wie Olaf von der Heydt ausführte, letztes Jahr keinen Erfolg mit der Zufinanzierung durch Hörer hatte, gelang dies Oliver Rohrbeck und der Lauscherlounge in diesem Jahr erstaunlich schnell. Hier hatte man das potentielle Publikum bei der Wiederaufnahme der Richard-Diamond-Serie einbezogen. Zuhörer konnten als Sponsoren auftreten und erschienen gegen Gebühr im Booklet oder man kaufte gegen einen höheren Betrag eine Gastrolle. Erstaunlich fix war der Schwellwert erreicht, die restlichen Kosten übernahm das Label …

Interessant war auch, dass sich alle drei Herren nicht recht mit dem sogenannten „Filmhörspiel“ anfreunden konnten, es sogar ablehnten. Unisono kam als Argument, dass es sich regelmäßig nur um die Tonspur des Films und nicht etwa um ein Hörspiel handele. Recht deutlich äußerte sich Herr Rohrbeck: Wenn er den Derrick am Ende des Filmhörspiels durch die Tür kommen und sagen höre „Ach, Sie waren der Mörder“, dann nütze ihm das gar nichts, die Auflösung sei absolut unbefriedigend. Das leuchtete ein. 🙂

Auch Herr Stricker sah Filmhörspiele eher als Angriff auf die richtigen Hörspielproduktionen an – dabei hatte er gerade als Regisseur mit Herbert Grönemeyer das Filmhörspiel „Das Boot“ produziert. Dies sei schon besonders, wie Herr Stricker sagte, da man die Tonaufnahmen getrennt und daraus – mit einem Erzähler aus dem Off – etwas Neues, etwas Eigenes geschaffen habe. Das zugrundeliegende Buch sei aus der Sicht des Leutnant Werner geschrieben, der im Film von Herbert Grönemeyer verkörpert worden sei und in der jetzigen Produktion einen zusätzlichen Erzählpart übernommen habe. Dazu habe man in Surround aufgenommen, so dass man sich soundmäßig im U-Boot wähne.

Eine ähnliche Ambivalenz zeigten auch Herr Rohrbeck und Herr von der Heydt. So sei z.B. „Raumpatrouille Orion“ als Filmhörspiel herausgekomme, wobei der Erzähler Andreas Fröhlich die Tonspur beinahe „kommentiere“.

Die einstündige Veranstaltung ging rasant dem Ende zu, die Runde war entspannt und gut aufgelegt. Und natürlich wurde  vor Schluss auch noch nach Geheimtipps und Lieblingshörspielen gefragt. Abgesehen vom Offensichtlichen, nämlich den Vorlieben des jeweiligen Hörers, wurden zum Beispiel genannt:

– die WDR-Produktion von „Der Hobbit“,

– die „Edgar-Allen-Poe“- Reihe aus dem Lübbe-Verlag, die offenbar auch in Surround aufgenommen wurde mit gruseligem Pendeleffekt,

– die „Wallander“Reihe,

– die Hörspielumsetzungen der Bücher „Die Welle“ und mit Aktualitätsbezug „Die Wolke“ von Gudrun Pausewang,

– die „Mark-Brandis-Reihe“

– von allen drei Herren die „Professor van Dusen-Reihe“, von der die ersten vier Fälle endlich wieder aufgelegt worden seien.

Kai Meyer und Andreas Fröhlich mit „Arkadien brennt“ im Lesezelt

Am Freitag stellte Kai Meyer den zweiten Band seiner „Arkadien“-Reihe im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse vor. Unterstützung erhielt er dabei von dem Sprecher Andreas Fröhlich, der die Hörbuchversion von „Arkadien brennt“ eingelesen hat. Nach einer kurzen Vorstellung der Vorgänge im ersten Teil „Arkadien erwacht“ und der Hauptfiguren, Rosa Alcantara und Alessandro Carnevare, geht Kai Meyer auf die Handlung des aktuellen Bandes ein.

Rosa und Alessandro sind nach den Ereignissen in „Arkadien brennt“ mit gerade mal 18 Jahren die Oberhäupter ihrer jeweiligen Mafia-Familien. Während Alessandro sich jahrelang auf diese Verantwortung vorbereitet hatte, hat Rosa keine Ahnung vom Geschäft – und mit jedem Tag ist sie frustrierter, weil sie eigentlich nichts mit den kriminellen Machenschaften ihrer Organisation zu tun haben will. Außerdem muss sie immer noch das Versprechen einlösen, das sie ihrer sterbenden Schwester Zoe gegeben hatte, und wieder zurück nach New York reisen, um mehr über eine eventuelle Verbindung ihres Vaters zu der geheimnisvollen Organisation „Tabula“ herauszufinden.

So begann Kai Meyer die Lesung mit einer amüsanten Passage, in der sich Rosa und Alessandro am Flughafen verabschieden, wobei die beiden nicht wenige Probleme haben, ihre gestaltwandlerischen Fähigkeiten bei all dem Abschiedsschmerz im Zaum zu halten. Nach einer kurzen Überleitung führte Andreas Fröhlich die Lesung mit einer Szene in New York fort. Nach ihrer Ankunft in New York war Rosa auf den amerikanischen Zweig von Alessandros Clan gestoßen und wird nun in der von dem Profi gelesenen Passage von einem ganzen Rudel Raubkatzen durch den nächtlichen Central Park gejagt. Die gewählten Textstellen boten dem Publikum einen schönen Einblick in die in „Arkadien brennt“ zu erwartenden Geschehnisse. Rosas Charakter und die Herausforderungen, denen sie sich in New York stellen muss, versprechen eine unterhaltsame und spannende Geschichte – ein Eindruck, der durch Andreas Fröhlichs gelungen Vortrag nur bestärkt wird.

Gegen Ende der Lesung tauschten sich der Autor und der Sprecher noch über ihre jeweiligen Arbeitsweisen aus. So erzählte Kai Meyer, dass er jeden Roman vor dem eigentlichen Schreiben komplett durchkonzipiert und für dieses Exposé (inklusive Recherche) ebensoviel Zeit aufwendet wie für das eigentliche Ausformulieren der Geschichte. Auch war es für ihn nicht ganz einfach, eine Liebesgeschichte wie die von Rosa und Alessandro zu schreiben, da die beiden in den ersten beiden Bänden doch recht wenig Zeit miteinander verbringen. Das allerdings wird sich im Abschlussband ändern, denn den hat der Autor (wie er bei dieser Gelegenheit verriet) eher wie ein „Road Movie“ konzipiert – und so werden die beiden Hauptfiguren sehr viel zusammen unterwegs sein und einiges miteinander erleben.

Auf eine Frage von Andreas Fröhlich meinte Kai Meyer noch, dass er sich von allen möglichen Medien inspirieren lässt und es genießt, zum Beispiel Filme zu analysieren, um herauszufinden, was ihn daran so fasziniert hat. Und er gab auch zu, dass er bei jedem seiner Bücher im Nachhinein Stellen findet, die er noch überarbeiten würde, wenn er könnte – und so nimmt er sich auch die Freiheit heraus, einen Text für eine Lesung so zu verändern, dass er sich gut lesen lässt. Im Gegenzug lässt sich Kai Meyer noch eine Frage von Andreas Fröhlich beantworten, und so erfährt das Publikum, dass professionelle Hörspielstudios fremdsprachige Begriffe von Muttersprachlern einsprechen lassen. Der Sprecher bekommt diese Tonbeispiele bei der Lesung über Kopfhörer eingespielt und spricht dann das fremde Wort nach. Letztendlich hat diese Lesung dem – vorwiegend jungen und weiblichen – Publikum nicht nur große Lust auf den zweiten „Arkadien“-Band gemacht, sondern ihm auch einen kleinen, interessanten Einblick in die Arbeit von Autor und Hörbuchsprecher gewährt.