Warum man Island einfach lieben muss

Während das aktuelle Gastland auf der Buchmesse allgegenwärtig vertreten ist und einen umfassenden Einblick in die isländische Literatur bietet, bekommt man mit dem Buch “Wo Elfen noch helfen – Warum man Island einfach lieben muss” eine Vorstellung davon, welche Erlebnisse ein Aufenthalt in Island für eine deutsche Journalistin bereit hält. Der im Diederichs-Verlag erschienene Titel von Andrea Walter beschreibt vor allem die teilweise recht kuriosen Erfahrungen, die sie als Stipendiatin bei der Isländer Zeitung “Morgunblaðið” in Reykjavík sammeln konnte.

 

Andrea Walter beim Signieren ihres Buches

 

Bei ihrer Lesung am Mittwoch präsentierte die Autorin ausgewählte Szenen aus ihrem Buch und ergänzte diese immer wieder durch kleine Details, wodurch sie dem Zuhörer eine lebendige Vorstellung u.a. von der Mentalität der Inselbewohner vermittelte. Während die Autorin unterhaltsam vortrug,  wie sie die Ehrenwikingerwürde erlangte – und sich am selben Abend zu ihrer eigenen großen Überraschung mit zwei fremden Isländerinnen in einer befremdlichen Situation auf der Damentoilette wiederfand -, konnte man die große Liebe und Begeisterung von Andrea Walter für dieses Land geradezu spüren.

So erzählt sie von der Hilfsbereitschaft ihrer Kollegen beim “Morgunblaðið”, von den durchgehend vorhandenen Englischkenntnissen und dem großen Anteil deutschsprachiger Isländer. Und auch davon, wie einfach es oft sei auf Island zu recherchieren, weil man in der Regel in der Redaktion jemanden findet, der die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse der Person bei der Hand hat, die demnächst interviewt werden soll.

Während Andrea Walter mit vielen Anekdoten schallendes Gelächter bei ihren Zuhörern hervorrief, lösten die Geschichten rund um ihre Erfahrungen mit dem traditionellen Essen der Insel doch eher einen Schauer beim Publikum aus. So amüsant die Journalistin ihren ersten – und vermutlich letzten – Versuch, einen halben Schafskopf zu essen, schildert, so plastisch waren auch ihre Beschreibung der Zubereitung, ihrer Unfähigkeit einigermaßen appetitliche Stücke zu finden und des – manchmal sogar überraschend erträglichen – Geschmacks.

Am Ende der Lesung bekamen die Zuschauer – wie zu Beginn der Veranstaltung angekündigt – die Möglichkeit, Fragen zu stellen. So erfuhr man noch, dass die Journalistin nur ein paar Worte Isländisch spricht, in ihrer Eigenschaft als “Islandexpertin” in den letzten Jahren regelmäßig das Land bereist und mehr von der Insel gesehen hat als nur Reykjavík. Außerdem könnte sie es sich durchaus vorstellen, in Island zu leben, auch wenn sie bislang noch keinen Winter auf der Insel erlebt hat – aber immerhin sei ihr bekannt, dass man in diesen dunklen Monaten viel Zeit mit dem Lesen verbringen könnte, während der Sommer mit Aktivitäten gefüllt sei.

Natürlich zieht sie es auch in Betracht ihren Titel “Wo Elfen noch helfen” auch über Buchhandlungen in Island auf den Markt zu bringen. Da das ausländische Angebot dort recht groß ist, wären die Chancen gar nicht so schlecht und der Diederichs-Verlag hätte die dementsprechenden Verhandlungen schon ins Auge gefasst.

Zuletzt wurden noch einige Exemplare des Buches an diejenigen im Publikum verlost, die Fragen zu der Geschichte Islands, zu speziellen Eigenheiten der Isländer oder zu erwähnten Erlebnissen der Autorin beantworten konnten. Die Gewinner können so nun mehr über einen Komiker als Bürgermeister von Reykjavík, den Herausforderungen, die man bewältigen muss, wenn man  einen Gefängnisinsassen besuchen möchte (wichtig ist vor allem der vorherige Anruf, damit der Gesprächspartner dann nicht unterwegs ist) und das turbulente Nachtleben am Freitagabend in Reykjavík lesen.