Schnelldurchlauf am 13.10.2011 durch Buchneuerscheinungen

Was wäre die Buchmesse ohne das ARD-Forum und Denis Scheck. Ob nun im Gespräch mit Autoren oder als Moderator der Sendung „Druckfrisch“, er zieht Publikum an. So füllten sich auch gestern die Plätze bei „Best of Druckfrisch“ unglaublich schnell.

 

Ca. 90.000 Neuerscheinungen würden in Frankfurt jährlich vorgestellt, also bleibe nur „mit offenen Augen und gesundem Menschenverstand“ die Vielfalt zu reduzieren. Und hierfür gab es im kurzen knackigen Schnelldurchlauf Tipps von Denis Scheck:

Ein Ansatzpunkt sei natürlich die Preisvergabe: Der diesjährige Literatur-Nobelpreisträger ist der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer, dessen bildintensive Lyrik in Deutschland leider noch nicht sehr bekannt sei, was sich jetzt hoffentlich ändern würde. Der deutsche Buchpreis sei an Eugen Ruge und „In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie“ gegangen. Er – Denis Scheck – persönlich finde die Wiederholung der Aufarbeitung der deutschen Geschichte im Familienroman inzwischen ermüdend – was man zugestandenermaßen aber dem Roman oder dem Autor nicht wirklich zum Vorwurf machen könne. 😉 Ihm persönlich habe der auf der Longlist vertretene Roman von Antje Rávic Strubels „Sturz der Tage in die Nacht“, in dem es um Inzest gehe und in welchem an Tabus gerührt werde, stärker beeindruckt. Und Denis Scheck schwärmte auch von der Aufmachung, Typographie und Erzählweise in „Gegen die Welt“ von Jan Brandt, der es übrigens auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte.

Natürlich könne man sich auch spartenweise orientieren und sich z.B. die avancierte Lyrik von Daniela Seel oder die originelle Lyrik von „Dir zu Füßen“ entdecken. Im letztgenannten Band sind Poeme von Hunden bekannter und nicht so bekannter us-amerikanischer Autoren versammelt … 😉

Neben den deutschen Titeln kann man sich natürlich auch den Roman ausländischer Autoren widmen. Hier führte Denis Scheck z.B. „Das Gewicht des Schmetterlings“ von Erri de Luca, in dem es um Mensch und Tier, Jäger und Gejagten, geht. Auch der neue Roman Umberto Ecos „Der Friedhof von Prag“, dessen Protagonist ein Meisterfälscher ist, fand Erwähnung. Jahrelang habe er – Denis Scheck im Übrigen auf die Übersetzung von „The Tunnel“ von William Howard Gass gewartet, endlich liege dieser fordernde Roman in deutscher Sprache vor.

Er und die Kollegen anderer literarischer Magazine und Sendungen können bei der großen Auswahl an Neuerscheinungen nur Anregungen liefern. War Denis Schecks abschließender Hinweis, dass der Leser selbstständig denken und aus dem Angebot wählen soll, überflüssig?  Eine Antwort hierauf werden die Zuhörer und Leser für sich selbst finden müssen …

Es ist natürlich kein Muss – aber ein wenig schade war es schon, dass Denis Schenk in diesem „Best of …“ keine Zeit für einen Titel aus dem Ehrengastland Island fand…