Open Space Pavillon und „Murmur Study“ von Christopher P. Baker

Wenn man sich dieses Jahr auf die Agora begibt, findet man nicht das Lesezelt (dieses befindet sich übrigens genau auf der anderen Seite der Hallen 3 und 4).  Der Besucher steht vielmehr von einem weißen, ufo-artigen, futuristischen Bau.

 

 

Es ist der Open-Space-Pavillon, in und an dem die diesjährige Kooperation zwischen Audi und der Frankfurter Messe deutlich wird. Der Pavillon soll einen Platz für den kreativen Austausch und die Entwicklung von Ideen unterschiedlicher Sparten schaffen, was u.a. durch Gesprächsrunden und Diskussionen erfolgt.

 

 

Natürlich werden auch visuelle Reize geschaffen: So befinden sich historische Buchschätze z.B. in Nachbarschaft von modernen Fahrzeugen.

 

 

Und dann sind da noch die Papierstreifen, die sich aus der Höhe des Pavillons zum Boden hin bewegen und sich dort aufrollend stapeln.

 

 

Nicht nur ein Besucher fragte sich, was das ist: Morsezettel? Kassenpapierrollen? So viele Schriftzeichen und Nummern sind aufgedruckt. Wer sich die Zeit nimmt und einen Papierstreifen in die Hand nimmt, kann seltsame Botschaften lesen. Manch ein Besucher wird sofort wissen, dass es sich um getwitterte englischsprachige Botschaften handelt, die ein bestimmtes Schlagwort wie „reading“ enthalten. Anderen wird die Installation „Murmur Study“ erläutert. Christopher P. Baker, ein kanadischer Künstler, will mit dieser Installation ein Denkmal schaffen für unsere Wunsch nach Kommunikation und sozialer Vernetzung. Dieser Wunsch wird in der heutigen Zeit auch stark in digitaler Form realisiert, man nutzt Chat, Email, Internetforen oder halt Twitter. Hier, in dieser Installation, erwächst diese digitale Kontakt und Kommunikationsverbindung in sichtbare materielle Realität: Die Drucke auf Thermopapier sind nicht nur lesbar – wie es sonst auch über den Bildschirm oder das Display möglich ist – sondern mit den Händen greifbar.

 

Der Betrachter ist nur vordergründig Außenstehender, weil er nicht in den zwischen verschiedenen Twitter-Nutzern aktuellen bestehenden Austausch einbezogen wird. Denn dem Betrachter wird der Kontakt, die Teilnahme und Integration angeboten

– durch Lesen der Tweets ohne physisch das Papier zu kontaktieren,

– durch den Zugriff auf eine der vielen bedruckten Rollen, Lesen und (ausdrücklich erlaubten) Abtrennen von Passagen

– durch aktives Eingreifen in die digitale Kommunikation durch das Absetzen eigener Tweets

– und natürlich durch die von der Installation angeregte Kommunikation mit den anderen Besuchern …

 

 

 

Um Teil von Murmur Study zu werden, ist über einen Twitter-Account eine Nachricht mit dem Hashtag #MurmurStudy zu twittern. Die MurmurStudy-Computer erkennen diesen Tweet und drucken ihn auf dem vorgesehenen Drucker (z.B. des Schlagwortes „idea“ oder „literature“) aus.