Therapien für Kaninchen und andere Kuriositäten

Bereits zum 4. Mal wurde in diesem Jahr der kurioseste Buchtitel gewählt (ausgeschrieben von Schotts Sammelsurium (Bloomsbury Berlin) und BuchMarkt). In der Jury saßen der Journalist und Historiker Bodo Mrozek, u.a. auch als Autor des Buches „Lexikon der bedrohten Wörter“ bekannt, die Redakteurin und Moderatorin des ZDF-Magazins „aspekte“ Luzia Braun und der Kabarettist und Autor Dr. Eckart von Hirschhausen.

 

 

Und es war offenbar gar nicht so einfach, sich auf einen Gewinner zu einigen. Auf der Shortlist standen:

1) Die Moldau im Schrank – Nina Maria Marewski, bilgerverlag
2) Kaninchen besser verstehen: Verhalten beobachten und Probleme lösen – Christiane Kautz, Kosmos
3) Tip des Tages: zehn Jahre – Günther „Gunkl“ Paal, Amalthea
4) Frauen verstehen in 60 Minuten – Angela Troni, Thiele Verlag
5) Grün, wild und schmackhaft: Lebendige Nahrung gratis aus der Natur – Marie-Claude Paume, Hans Nietsch Verlag
6) Die literarische Pantomime: Studien zu einer Literaturgattung der Moderne – Hartmut Vollmer, Aisthesis Verlag

 

Den Jurymitgliedern, aber auch den nicht stimmberechtigten „Beisitzern“ Elmar Krekeler (Welt) und Schotts-Sammelsurium-Redakteur Alexander Weber (Bloomsbury Berlin) gingen so einige Gedanken zu den Titeln der Shortlist durch den Kopf.

 

„Frauen verstehen in 60 Minuten“  fand zum Beispiel kaum Zuspruch von Luzia Braun, da sie mit diesem Titel u.a. die auch auf dem Buchmarkt zu findenden Gebrauchsanweisungen und technischen Handbücher assoziierte, während Alexander Weber auf die Doppeldeutigkeit des Titels hinwies:  Frauen verstehen in 60 Minuten (durch eine andere Person) oder Frauen verstehen (etwas) in 60 Minuten.  Dr. Eckart von Hirschausen  äußerte den Verdacht, dass Angela Troni ein Pseudonym von Mario Barth sei, was jedoch von der anwesenden Vertreterin des Thiele Verlages verneint wurde. 🙂

 

Die verbal geäußerten Überlegungen zu „Kaninchen besser verstehen“ sorgten für Erheiterung im Publikum. Entwickeln Kaninchen Neurosen, weil sie in Deutschland in Käfigen gehalten werden (in Frankreich würden sie sich nur Sorgen machen,  in welcher Sauce sie landen), fragte sich Bodo Mrozek. Luzia Braun dachte über die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Kaninchen und Therapeuten mittels Ohrenwackeln nach, was von Elmar Krekeler aufgegriffen wurde und letztlich eine Brücke zu nonverbaler Kommunikation und zu dem weiteren Titel der Shortlist „Die literarische Pantomime“ schlug 🙂

 

Dagegen dachte Alexander Weber bei „Die Moldau im Schrank“ an die Hausratsversicherung, während Dr. Eckart von Hirschhausen Heraklit und „Alles ist im Fluss“ anführte und Luzia Braun über eine Flut von Kleidungsstücken sinnierte, die aus einem Kleiderschrank hervorquellen könnte. Elmar Kerkeler erinnerte sich an seine Schulzeit und das Musikstück von Bedrich Smetana.

 

Ja, es wurde viel gelacht bei der Preisverleihung. Aber es wurde auch wieder deutlich, dass sich Humor von Mensch zu Mensch unterscheidet. Die Juroren hatten andere Favoriten für die Shortlist als das abstimmende Publikum. In diesem Zusammenhang erwähnte Bodo Mrozek den Titel „Geritten werden – so erlebt es das Pferd“, der ihn besonders wegen der passiven Konstruktion faszinierte. Und auch bei den Titel der Shortlist gingen die Meinungen von Lesern und Jury auseinander. „Tip des Tages – 10 Jahre“ hatte offenbar die meisten Punkten der Leser, aber die wenigsten Punkte der Jury erhalten. Und nicht nur Luzia Braun fragte sich, ob man den Preis nun wegen der ungewollten Komik, der Witzigkeit oder die Skurrilität des Titels verleiht

 

Zumindest, so führte Bodo Mrozek an und die Gesprächsrunde stimmte ihm zu, wäre dieser literarische Preis gerechter als alle anderen. Die Jury würde sich weder vom Cover, noch vom Inhalt, noch den Verkaufszahlen, dem Stil oder den Gedanken ablenken lassen, einzig der Titel zähle. 🙂

 

Und letztlich konnte die Jury durch Punktaddition den Gewinner küren:

 

„Frauen verstehen in 60 Minuten“ von Angela Troni wurde der Preis „Kuriosester Buchtitel 2011“ verliehen. Die Vertreterin des Thiele Verlages nahm die mit dem Titel verbundene Urkunde für die Autorin entgegen, ebenso die Flasche Champagner und einen Kurzzeitwecker. 🙂