Schatzsuche: Hörspiel-Klassiker und Lizenzen

Warum sind Hörspiel-Klassiker wie die Reihen um „Professor van Dusen“, „Offenbarung“, „Schubiduu ..uh“ so lange nicht auf dem Audiomarkt verfügbar gewesen bzw. sind es nicht vollständig und werden diese und andere Reihen fortgesetzt? Diese und andere Punkte besprach – untermalt von Einspielungen einiger Hörspielklassiker – am Samstag in der Messehalle 3 diese illustre Runde :

von links nach rechts: Rainer Clute (Regisseur, Deutschlandradio), Harald Dzubilla alias Peter Riesenburg (Autor von z.B. „Schubiduu… uh“, „Detektiv Kolumbus & Sohn“), Michael Koser (Autor, z.B. „Professor von Dusen“), Jan Gaspard (Autor z.B. „Offenbarung 23“, Produzent), Sebastian Probot (Highscoremusic) und der Moderator Olaf von der Heyer (Rezensent)

Das Label Highscoremusic unter der Leitung von Sebastian Probot hat es in den letzten Jahren geschafft, einige Hörspiel-Klassiker wie „Detektiv Kolumbus & Sohn“ , „Schubiduu ..uu“ oder die erste Staffel von „Professor van Dusen“ wieder auf den Markt zu bringen.

„Anlass“ war vor Jahren, wie Sebastian Probot erzählte, die Frage einer guten Freundin, ob er nicht das Hörspiel „Als die Autos rückwärts fuhren“ besorgen könne. Er habe bei ebay geschaut – und wollte nicht Hunderte von Euro für eine Schallplatte ausgeben. Daraufhin habe er dann einfach mal beim Sender angerufen und gefragt, ob er die Rechte haben könne. Vermutlich sei es nur seinem Hintergrund als Musikproduzent zu verdanken, dass man ihn überhaupt ernst genommen hätte. Er musste erfahren, dass beim Hörspiel mehrere Rechte zu berücksichtigen sind: die des Autors, der Sprecher, der Musiker, Internet-Veröffentlichung etc. Als die Hörspiele in den 70er produziert worden seien, hätten einige Radiosender – so auch RIAS – kaum Lizenzverträge im heutigen Sinne geschlossen und falls doch, wären z.B. Vervielfältigung durch Internet nicht Bestandteil gewesen. Allerdings: Als er erst einmal angefangen hatte, wollte er die Sache auch zu Ende bringen. Wie gut für die Hörspiel-Fans, dass Sebastian Probot diese Einstellung hatte, denn die CD „Als die Auto rückwärts fuhren“ ist wieder im Handel 🙂

Auch bei der „Professor-van-Dusen-Reihe“ habe es erhebliche Probleme bei der Klärung der Rechte gegeben, nicht nur weil Sprecher verstorben seien. Die schwierige Situation habe wohl auch die früheren Versuche, die Reihe wieder aufzulegen, scheitern lassen. Erst Stefan Probots Beharrlichkeit – so Rainer Clute und auch Michael Koser- sei es zu verdanken, dass die erste Staffel der Professor-van-Dusen-Reihe wieder im Handel sei. Stefan Probot gab das Kompliment aber auch zurück und meinte, nur durch die Mithilfe von Rainer Clute und Michael Koser sei er weitergekommen, denn der Sender selbst habe sich hier nicht sehr kooperativ gezeigt. Rainer Clute stimmte zu und nutzte die Gelegenheit, eine Entschuldigung gegenüber Sebastian Probot wegen der Schwierigkeiten und der offenbar zu hohen Lizenzgebühren bei der Musik auszusprechen. Glücklicherweise wurde Stefan Probots Engagement durch diese Abläufe nicht gedämpft. So habe es Sebastion Probot geschafft, wie Michael Koser sagt, die Rechte für die zweite Staffel der Professor-van-Dusen-Reihe zu erwerben: Es werde weitere vier Folgen geben und wer weiß, vielleicht sind irgendwann wieder alle 77 Folgen auf dem Markt. 😉

Erheblich weniger Probleme habe man dagegen beim Erwerb der Rechte zu „Schubiduu …uh“ und „Detektiv Kolumbus & Sohn“ gehabt. Die Lizenzfrage sei hier leicht zu klären gewesen, da Harald Dzubilla der alleinige Ansprechpartner gewesen sei. Dies habe sich auch auf den Markpreis der Hörspiele ausgewirkt, die sich sehr gut verkaufen würden. Viele Fans, die als Kinder diese Reihen gehört hätten, würden sie jetzt für ihren Nachwuchs kaufen.

„Offenbarung 23“ sei dagegen wieder ein anderes Thema. Selbst der Autor Jan Gaspard meinte, wenn die Lizenzfrage zu „Professor van Dusen“ ein Alptraum sei, dann wäre die Rechteklärung zu „Offenbarung 23“ wohl die Hölle. Sebastian Probot nickte. 😉 Dennoch „sei man dran“ und hoffe weiterhin, dass man nächstes Jahr auch „Offenbarung 23“ wieder auf den Markt bringen könne. Das Hörspiel hatte damals für Aufsehen gesorgt, konnte aber von ihm – Jan Gaspard – nicht vollendet werden. Die Reihe sei auch nie als reines Hörspiel konzipiert gewesen: Vielmehr sollten Spiele, Film, Bücher, die nur zusammen mit dem Hörspiel funktionierten, das Universum von „Offenbarung 23“ erweitern. Natürlich hoffte man auch, über die zusätzlichen Medien auch das Interesse weiterer Käufer für das Hörspiel zu erregen.

Die Runde gab Jan Gaspard recht, dass der Hörspielmarkt noch immer jung ist. Selbst Hörspielklassiker, die man aus dem Radio kenne – so Harald Dzubilla – seinen schwer „an den Verlag“ zu bringen, da aus Verlagssicht sie ja „niemand kenne“. Wie denn auch, so Harald Dzubilla leicht frustriert, wenn sie vorher nicht auf dem Markt, sondern nur im Radio, bekannt waren.

Jedenfalls kann die Transmedialität von Hörspielen für den noch immer jungen Hörspielmarkt ein interessantes Marketinginstrument darstellen. Daneben machen dem  Hörspielmarkt – und den kleinen Labels – natürlich die illegalen Downloads und Tauschbörsen zu schaffen. Auch der Wiederverkauf bei Ebay durch Private, an denen die Rechteinhaber nicht partizipieren, wurde genannt.

Das Gespräch wurde auch weiterhin offen geführt:

Man dürfe aber nicht verkenne, so Sebastian Probod, dass durch illegale Downloads das Produkt verbreitet und auch das Label bekannt gemacht werde. Dies würde aber natürlich nicht bedeuten, dass er illegale Downloads gutheiße! Jan Gaspard stimmte zu: Zu Höchstzeiten seien auf 1 verkaufte CD „Offenbarung 23“ gut 200 illegale Downloads gekommen, was sowohl stolz mache, andererseits aber natürlich schädigend ist.

Harald Dzubilla rief engagiert in Erinnerung, dass man durch den illegale Download nicht nur das Label schädige, sondern alle, die an der Produktion mitgearbeitet haben incl. der Rechteinhaber. Ohne zusätzliche Jobs könne man von Hörspielen sowieso den Lebensunterhalt regelmäßig nicht bestreiten – und durch den Diebstahl geistigen Eigentums – nichts anderes seien illegale Downloads – würde hier noch mehr finanzieller Schaden angerichtet.

Rainer Clute hielt sich, angesprochen auf die weiteren Pläne, etwas bedeckt. Zwar sei er mit einer skandinavischen Sache beschäftigt, wolle aber erst abwarten, bis alles „in trockenen Tüchern“ ist. Harald Dzibulla arbeite u.a. an einer Wiederveröffentlichun von „Knall & Fall – Privatdetektive“ , er schreibe aber auch neue Sachen. Michael Koser erklärte, dass er für die Hörspielreihe um Professor van Dusen nicht mehr schreibe; es gäbe aber 6 Comicbücher (diese seien auch als App bei Itunes für das IPad etc. zu bekommen). Derzeit schreibe er an Kinderbüchern für seine Enkel. 😉 Jan Gaspard ist gleich mit mehreren Projekten beschäftigt: nexworld.TV, dann einer Dokumentation, einem historischen Roman und natürlich zusammen mit Sebastian Probot mit der Klärung der Rechtefragen zu „Offenbarung 23“. Außerdem seien er und Sebastian Probot mit der Entwicklung einer neuen Hörspiel-Serie beschäftigt, die in den Achtzigern spielen soll und hoffentlich das damalige Lebensgefühl durch Sound aufgreifen werde.

Und Sebastian Probot ist weiterhin mit der Schatzsuche nach „vergessenen“ Hörspielklassikern beschäftigt. Olaf van der Heydt empfahl, immer wieder mal bei Highscoremusic vorbeizuschauen. Auch er werde immer wieder überrascht, mit welchen neuen Dingen Sebastion Probot dort aufwarte 🙂

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