Lucky Luke, ACHDÉ und Klaus Jöken

Am Samstag ging es in Halle 2 auf dem Schwarzen Sofa um den neuen Lucky-Luke-Band 88 „Lucky Luke gegen Pinkerton“. Naja, ehrlich gesagt ging es um den französischen Künstler ACHDÉ, der die Comicserie zeichnerisch fortführt 🙂

Unterstützt von Klaus Jöken, der auch für die Übersetzung der Lucky-Luke- und Asterix-Bände verantwortlich ist, führte Klaus Schikowski das Gespäch mit dem äußerst gut gelaunten ACHDÉ und fragte gleich einmal nach, wie es denn zu der Zusammenarbeit mit Morris, dem Begründer der Lucky-Luke-Reihe, gekommen sei.

Morris war auf ACHDÉ aufmerksam geworden, als letzterer die Abenteuer von Rantanplan umsetzte. Morris holte ihn zu Lucky Luke, verstarb dann aber. ACHDÉ habe dann gedacht, dass sich die Arbeit an Lucky Luke für ihn leider erledigt habe. Überraschenderweise sei aber nach ca. 8 Monaten der Verleger auf ihn zugekommen: Morris habe die Weiterführung von Lucky Luke unter der zeichnerischen Federführung von ACHDÉ gewünscht. Er – ACHDÉ – sei hin und weg gewesen, weil sich für ihn ein Kindheitstraum erfüllt habe. Seine Ehefrau, erzählte er lachend, habe diese unglaubliche Neuigkeit mit „Ja gut, komm runter zum Essen“ kommentiert.

Auf Nachfrage erklärte ACHDÉ, dass es für ihn nicht wirklich ein Problem darstellte und darstellt, im Charakterdesign zu Lucky Luke „eingeschränkt“ zu sein. Er habe auch keine Schwierigkeiten, die Serie in Morris Stil fortzuführen.

Zum einen habe er zu Beginns seiner Karriere Zeichnungen in Morris Stil kreiert; diese Ähnlichkeit sei auch kritisiert worden. Er musste damals einen neuen Stil entwickeln – mit Lucky Luke würde er jetzt eigentlich nur zu seinen Wurzeln zurückkehren.

Zum anderen sei für ihn der Comic „an sich“ wichtiger, also die Kontinuität und der Wiedererkennenswert für den Leser. Er trete hier als Künstler freiwillig und weitgehend zurück. Die heutigen Comiczeichner würden das häufig anders sehen und handhaben, da sie das Eigene publiziert sehen wollen. ACHDÉ erwähnte in diesem Zusammenhang „Spirou“. Er sehe es so: Man habe früher den Comic „Lucky Luke“ gekauft, weil es „Lucky Luke“ war und nicht weil die Zeichnungen von Morris stammten. In diesem Sinne führe er den Comic fort. Der Übersetzer Klaus Jöken sieht und handhabt dies übrigens auch so.

ACHDÉ gab in diesem Zusammenhang noch eine Anekdote zum Besten: Bei einer Signierstunde in Kanada habe ihm eine ältere Frau ein Kompliment dahingehend gemacht, dass er sich „gut gehalten“ habe. Sie hatte gedacht, er sei Morris 🙂

Es wurde im Gespräch aber auch deutlich, dass sich der Comic sowohl storytechnisch, als auch zeichnerisch weiterentwickelt habe, wobei der Wiedererkennungswert aber nicht gelitten habe.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

Während sich Morris früher zum Beispiel an John-Ford-Western, Sam Peckinpah, sogar ein ganz klein bißchen auch an den Spaghetti-Western von Sergio Leone orientierte, greife er auch auf Western der letzten Jahre zurück wie „Todeszug nach Yuma“ oder „Open Range“. Auch treibe er – ACHDÉ – zeichnerisch die Handlung stärker voran als es Morris tat.

Und auch vor Lucky Luke machen die Veränderungen erzähltechnisch nicht halt: In der Entstehungzeit des Comic wurde der strahlende Held präsentiert. Zuletzt war dieses auch ein Kritikpunkt gegenüber Morris, da Lucky Luke schlicht zu perfekt war. Heute sei Lucky Luke weiterhin ein Held, aber menschlich. Ihm passieren Missgeschicke, er wird im Pinkerton-Band sogar quasi in Frührente geschickt.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

Beide, ACHDÉ und auch Klaus Jöken als Übersetzer, betonten außerdem, dass Lucky Luke nicht nur als Westernparodie angelegt ist, sondern auch als Comic für Kinder und Erwachsene. Dies bedeute für den Zeichner und den Texter/Übersetzer auch, dass der Comic immer vielschichtig sein müsse: Sowohl die Geschichte, als auch die Gags müssen für Kinder greifbar sein, ohne dass es für die Erwachsenen uninteressant würde. Für diese müsse auf anderer Ebene mehr enthalten sein (beim Pinkerton-Band z.B.  Rückschlüsse auf Überwachungsstaat etc.), ohne dass man die Kinder hierdurch „verliere“.

Er – ACHDÉ – schätze es im Übrigen sehr, wenn ihm von den Textern und Szeneristen Raum für eigene Entwicklungen gelassen werde. Als Beispiel führte der die Vorgabe des Szeneristen im Pinkterton-Band an: „Lucky Luke betritt das Detektivbüro, wo sich viele Leute befinden“

Die aufgrund dieser Vorgabe von ihm geschaffene Seite mit humorvollen und auch karikierenden Elementen werde in der Presse gegenüber den Autoren, wie ACHDÉ schmunzelnd sagte, immer wieder als positives Beispiel erwähnt.

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)

(Projektion auf Leinwand, Szene aus Lucky Luke, Zeichnung by ACHDÉ)