Auf dem Blauen Sofa: die Autorin Margriet de Moor

Beate Westphal begrüßte die Niederländerin Margriet de Moor am Freitagmorgen auf dem Blauen Sofa des ZDF. Die Autorin von zum Beispiel „Die Kreutzersonate“ und „Der Virtouse“ spinnt die Geschichte ihres neuen Romans um ein reales Ereignis im Amsterdam des 17. Jahrhunderts: Ein unbekannter Maler zeichnet zwei Miniaturbilder des toten Mädchens Elsje. Der Roman erzählt die Geschichte dieses Mädchens und in diesem Zusammenhang auch von Malerei und Kunst.

Dorothea Westphal fragte, warum die Autorin den Maler nicht beim Namen nennt. Durch die Verwurzelung in der Realität, die beschriebenen Miniaturbilder und das Gemälde, an dem der Maler gerade arbeite, habe man auf Rembrandt geschlossen – was Margriet de Moor bestätigte. Sie habe aber bewusst den Namen nicht genannt, weil Rembrandt damals zur Zeit der Ereignisse „ein“ Maler von Vielen gewesen sei und nicht „der“ Maler, den wir heute in ihm sehen. Für sie stehe er damit symbolisch für alle Maler, ihre Konzentration auf ihr Schaffen, ihr Handwerk. So sprechen die Stadtbewohner von nichts anderem als dem Mord, den die junge Elsje verübt habe, während der Maler an Farben, Pinsel und seinen Auftrag denke.

Als Dorothea Westphal den Roman „Der Maler und das Mädchen“ als Buch über die Kunst bezeichnete, stimmte die Autorin nur bedingt zu. Zwar schildere sie auch das Handwerk, vorrangig wollte sie aber die Geschichte von Elsje erzählen.

Hier habe sie als Schriftstellerin das Glück gehabt, dass zwar der Prozess und die Figur real sind, jedoch die Begleitumstände, Elsjes Herkunft und ihre Motivation nicht bekannt sind. Sie konnte so ihre Geschichte „entdecken“. Außerdem wollte sie den Gegensatz und das letztliche das Zusammentreffen dieser zwei titelgebenden Personen thematisieren: die junge, am Anfang stehende Elsje mit ihren Hoffnungen und den alternden Maler, dessen Frau vor kurzem an der Pest verstorben war. Warum führten die Lebenswege dieser beiden Menschen letztlich zu einem „Treffen“?

„Der Maler war auf dem Weg, ein totes Mädchen nach dem Leben zu zeichnen“ (sinngemäßes Zitat aus dem Roman).

Es ist faszinierend, welche Vielschichtigkeit dieser eine Satz aufweist. „Nach dem Leben“ zu malen bedeutete damals ja „real“ zu zeichnen – während man aus dieser Formulierung auch lesen kann: die Verstorbene oder den Tod. Auch impliziere der Satz ja, dass das tote Mädchen durch die Zeichnung letztlich lebendig bleibt.

Frau Westphal und Frau de Moor plauderten noch weiter über den neuen Roman und seine Hintergründe. Und so interessant dies auch war – leider wurde so dem Publikum Grietjes Geschichte und der Grund, warum sie zur Mörderin wurde gleich mit offenbart. Auch warum der Maler sich entscheidet, das Mädchen zu malen blieb nicht außen vor.

So verließ man die Veranstaltung leider viel zu gut informiert und fragte sich, ob man „Der Maler und das Mädchen“ zumindest wegen der Details der Geschichte und der Sprachvirtousität der Autorin lesen möchte.