Auf dem Blauen Sofa: Volker Weidermann zum 100. Geburtstag von Max Frisch

Auf dem Blauen Sofa war am Freitag unter anderem Volker Weidermann, einer der beiden Feuilletonleiter der FAZ, zu Gast. Der Literaturkritiker hat die Biographie „Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher“ verfasst, welche bei Kiepenheuer & Wietsch erschienen ist.

Sein Gespräch mit Wolfgang Herles drehte sich selbstverständlich um Max Frisch als Person, aber auch um die Recherchearbeit. Abgesehen von Materialsichtungen im Keller des Max-Frisch-Archives schilderte Volker Weidermann nicht ohne Stolz, dass er quasi die weibliche Romanfigur aus „Montauk“ getroffen habe. Sie seien nach Montauk gefahren und hätten dort über Frisch gesprochen.

Herr Weidermann vermittelte den Eindruck, dass es die Arbeit an der Biographie für ihn sowohl spannend als auch ernüchternd war. Max Frisch war nicht nur Autor, Architekt und politisch engagiert, sondern wohl ein schwieriger Partner – sowohl in beruflichen als auch privaten Beziehungen. So verarbeitete er zum Beispiel literarisch seine beendeten Beziehungen, was besonders seine Exfrau Ingeborg Bachmann sehr verletzte. Der Satz „Er konnte ein Ekel sein“ fiel in dem Gespräch.

Die ungebrochene Faszination, die Max Frisch und seine Werke auf Volker Weidermann ausüben, war nicht zu übersehen:

Er sprach davon, dass Max Frisch nur über selbst Erfahrenes schrieb und dass seine Texte – nach dem Architekturstudium – durch Reduktion Eleganz erhielten. Max Frisch „schreibt aus Angst, allein zu sein“ und suche durch seine Texte das Gespräch mit dem Leser. Er habe nicht nur viel gelesen, sondern auch anderen Autoren zugehört und von ihnen – hier wurde Berthold Brecht angeführt – gelernt. Max Frisch habe seine Einstellungen immer wieder geprüft, hinterfragt und sei Veränderungen gegenüber offen gewesen.

Das Buch „Max Frisch. Sein Leben, seine Bücher“ wurde sicherlich von Volker Weidermann mit Leidenschaft geschrieben.