Simon Beckett auf dem Blauen Sofa

Ja, der britische Bestsellerautor war am Donnerstag auf dem Blauen Sofa des ZDF zu Gast bei Marita Hübinger. Natürlich ging es bei dem Gespräch um sein aktuelles Buch „Verwesung“ – und der Titel ist Programm. Es werden Leichen gefunden in Dartmoor und der Leser kann neben dem spannenden Krimi gleich etwas über Moore, Torf und dessen Auswirkungen auf die Verwesung lernen.

Wie er sich das boomendes makabere Interesse am Tod, an der Forensik,, erkläre, fragte Frau Hübinger unter anderem und der Bestsellerautor sah nicht wirklich etwas Makaberes an dieser Faszination. Der Tod gehöre zum Leben dazu und uns Menschen ist die Sicht über diese letzte Schwelle hinaus verwehrt, führte Simon Beckett sinngemäß aus. Es ist daher nicht verwunderlich, dass man so viel wie möglich zumindest über die „Nähe“ wissen möchte.

Etwas anderes sei der Grusel, der Angstfaktor. Dieses Phänomen begleite die Menschen über die Jahrhunderte hinweg, früher z.B. in Form von Bestien wie Werwölfen und Vampiren, heute – wie er es sehe – in Form von Serientätern. Hier setze auch er an, wobei ihn durchaus interessiere, was einen Menschen zu Gewalttaten treibe. Er sei sehr an Psychologie interessiert und habe auch mal eine berufliche Tätigkeit in diese Richtung erwägt.

Simon Beckett bejahte die Frage Frau Hübingers, ob seine Tätigkeit als Journalist und die Recherche auf der „Body-Farm“ des FBI in Tennessee den Anstoß für seine schriftstellerische Tätigkeit geliefert hätten. Diese Body-Farm sei damals etwas ganz Neues gewesen, auch für die dort geschulten Polizisten. Diese wäre damals über mehrere Wochen zu einem Tatort-Training auf der Body-Farm gewesen und er habe einen Artikel darüber geschrieben. Dieses Erlebnis sei äußerst einprägsam gewesen: die Gerüche, Maden auf dem Weg zur Leiche, Leichen in verschiedenen Stadien der Verwesung. Das habe ihn fasziniert, interessiert und er begann mit der Entwicklung der ersten Romanidee.

Angesprochen auf Verfilmung seiner im besten Sinne sehr britischen Romanreihe um David Hunter, erklärte Simon Beckett, ihm sei kein Film lieber als ein schlechter. Offenbar gibt es durchaus Angebote – er wartet aber noch ab. Er fände es natürlich schön, wenn das „Britische“ seines Protagonisten bei einer etwaigen Verfilmung erhalten bliebe und ebenso wie das Ambiente. Die Geschichte selbst könne ja durchaus außerhalb von Großbritannien spielen. Ihm sei sowieso wichtig, dass die Örtlichkeiten und die Story lebensnah seien: Der fikive Ermittler David Hunter starte schon mal in der Großstadt, fliege in die Staaten und reise durchaus in abgelegene Orte: Ein Mörder will ja klassischerweise die Leiche verschwinden lassen und so sei es dann kein Wunder, dass der Mörder eine einsame Insel oder Dartmoor wähle…

Insgesamt hat diese knappe halbe Stunde gezeigt, welche Faszination die forensische Pathologie auf Simon Beckett ausübt – und dies überträgt sich auch auf den Leser. Vielleicht sind die detailreichen Beschreibungen des Autors nichts für empfindliche Gemüter, aber das grundsätzliche Interesse des Lesers am Tod sorgt zusammen mit den gut ausgearbeiteten Geschichten gewiss dafür, dass Simon Becketts Romane auch in Zukunft zuverlässig auf den Bestsellerlisten zu finden sein werden.