Ausländische Kinderliteratur in der Türkei

Herr Necdet Neydim von der Universität Istanbul sowie Frau Müren Beykan und Frau Bahar Siber, die zwei verschiedene türkischen Verlage repräsentierten, gewährten einen kleinen Einblick in die Arbeit türkischer Verlage in Bezug auf ausländische Kinder- und Jugendliteratur.

Geschichtlich gesehen hatte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts in der Türkei ein Bedarf an Kinderliteratur entwickelt, der unter anderem durch Übersetzung aus dem Französischen (Jules Verne), dem Englischen (Jonathan Swift) und dem Deutschen (Erich Kästner, Michael Ende) gedeckt wurde. Mit der Zeit veränderten sich die Ansprüche an die Kinderliteratur: Nach hauptsächlich ideologischen Ausrichtung in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts rückte die Unterhaltung des Kindes in den Vordergrund. Heute wird von den Verlagen außerdem eine breitere Genreauswahl angeboten und die Bücher werden verstärkt nach Zielgruppen aufgelegt. Sensibel bleibt der Bereich, ob und wie ausländische Kinderliteratur in die türkische Kultur integriert werden kann.

In diesem Zusammenhang führte Frau Müren Beykan zum Beispiel an, dass der Originaltext in Richtung auf Inhalt und kindgerechte Form zu überprüfen ist und ob generell eine Übersetzbarkeit gegeben ist. Auch kulturell bedingte Unterschiede in der Alterseinstufung sind zu beachten, gerade in Bezug auf Pubertät und Sexualität. Ergänzend führte Frau Bahar Siber an, dass auch Geschichten, die stark an Lokalitäten oder Marken geknüpft sind, die türkischen kindlichen oder jugendlichen Leser überfordern könnten einfach aus dem Grunde, dass ihnen das entsprechende Vorwissen fehlt. Insofern sind die gesellschaftlichen und moralischen Werte und Grenzen der Türkei zu beachten.