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Zauberwort: Cross Media Publishing

Im Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse wurde heute Mittag unter der Moderation von Thomas Webler (Chefredakteur der AnimaniA) ein Gespräch über „Cross Media Publishing“ geführt. Beteiligt an dieser Veranstaltung waren Dr. Joachim Kaps (Verlagsleiter Tokyopop Deutschland), Andreas Mergenthaler (Gründer des Cross Cult Verlags), Stephan Grondel (Ankama Games) und Pascal Schmidt (Head of Marketing von Nintendo Deutschland).

Vor allem Nintendo, aber auch Tokyopop haben langjährige Erfahrung im „Cross Media Publishing“, was auch auf den japanischen Umgang mit den verschiedenen Medien zurückzuführen ist. In Japan gehört die genreübergreifende Vermarktung zum Alltag, so dass es geradezu selbstverständlich ist, dass zum Beispiel bei der Veröffentlichung eines Videospiels zeitnah die Umsetzung als Manga oder Anime stattfindet. In Deutschland wurde dieses Zusammenspiel der verschiedenen Marktbereiche lange Zeit stark vernachlässigt, da es schwierig war, die nötigen Netzwerke dafür aufzubauen.

Dabei sind sich alle Beteiligten über die Vorteile von „Cross Media Publishing“ einig, da so leichter neue Zielgruppen angesprochen und auf Medien aufmerksam gemacht werden, die sie sonst nicht nutzen würden. So berichtet Dr. Joachim Kaps von dem Erfolg der „Zelda“-Manga, die Comic-Leser ebenso ansprechen wie Fans der „Zelda“-Spiele. Auch Andreas Mergenthaler vom Cross Cult Verlag hat zum Beispiel durch den „Hellboy“-Film oder die Comics zu dem neuen Star-Trek-Film aus dem Jahr 2009 sehr positive Erfahrungen mit genreübergreifenden Veröffentlichungen machen können.

Alle Gesprächsteilnehmer waren sich einig, dass ihre Käufer inzwischen anspruchsvoller geworden sind, als dies noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Ein Comicliebhaber verzeiht es nicht so schnell, wenn in einer Verfilmung die Ursprungsgeschichte verfälscht wird, und eine Trickfilm-Serie, bei der der Zuschauer die liebgewonnenen Spielcharaktere nicht wiedererkennt, wird ebenfalls bei der Zielgruppe keine Begeisterung auslösen. Solche Fehler können dann auch dazu führen, dass das Originalprodukt seinen Marktwert verliert.

Nur durch Respekt vor dem Produkt und gegenüber dem Käufer kann „Cross Media Publishing“ erfolgreich verlaufen und für Verlage ebenso wie für Spieleentwickler und Filmfirmen zu lukrativen Ergebnissen führen. Da ist es auch nicht überraschend, dass eine Firma wie Nintendo streng darauf achtet, dass bei der Umsetzung der Lizenzen detaillierte Richtlinien eingehalten werden. Alle Beteiligten stimmen überein, dass in Deutschland noch längst nicht alle Möglichkeiten von „Cross Media Publishing“ genutzt werden und planen in naher Zukunft weitere genreübergreifende Veröffentlichungen, von denen einige auch am Ende des Gesprächs genannt wurden.

So wird in Kürze eine Trickfilmumsetzung von „Wakfu“, einem Spiel von Ankama, im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, während zu dem Cross-Cult-Titel „The Walking Dead“ gerade in Amerika eine TV-Serie gesendet wird. Tokyopop hingegen konzentriert sich zur Zeit auf die Vermarktung von „Die Wolke“, einer Manga-Umsetzung des Kinderbuchs von Gudrun Pausewang. Auch wenn dieser Ausblick auf die nahe Zukunft nicht uninteressant war, so muss man doch leider sagen, dass diese Veranstaltung ansonsten nicht sehr viele neue Informationen zu „Cross Media Publishing“ lieferte.